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Dieser Text stammt von der Film Commission Region Stuttgart, www.film.region-stuttgart.de

Der Höhepunkt des Videobooms ist vorbei – MTV ist zum kostenpflichtigen Sender geworden und auf VIVA laufen Zeichentrickfilme. Warum also ein so aufwändiges Produkt wie ein Musikvideo realisieren? 500 Millionen Klicks auf YouTube für das Video „Baby“ von Justin Bieber, 360 Millionen Klicks für Lady Gaga zeigen: Videoportale im Internet sind die Musikkanäle von heute. Nie war es für das Publikum einfacher, sich seine Lieblingsmusik nicht nur anzuhören, sondern auch anzusehen. Nie war es für Kreative einfacher, Videoclips einer großen Anzahl von Leuten zugänglich zu machen.

Gerade für Bands und Musiker, die am Anfang ihrer Karriere stehen, ist es zwar mit einiger Arbeit verbunden einen Videoclip zu produzieren, trotzdem kann man auch mit bescheidenen Mitteln ein beachtliches Ergebnis erzielen. Low-Budget-Produktionen sind verhältnismäßig billig, müssen aber deshalb noch lange nicht so wirken. Während ein professionelles Musikvideo 50.000 Euro und mehr kosten kann, sind eigenproduzierte Videoclips für sehr viel weniger Geld, dafür mit umso mehr Do-it-yourself-Einstellung zu realisieren. Die folgenden Punkte sollen erste Fragen klären und einen kleinen Überblick über die Welt der Musikvideo-Produktion geben:

1. Ressourcen – Was benötige ich für ein Musikvideo?
Finanzierung
Ein Musikvideo ist in erster Linie dazu da, einen Künstler oder eine Band zu promoten, sie bekannt(er) zu machen und auf sie hinzuweisen. Es dient als Marketingtool, jedoch erzielt es keine direkten Einnahmen. Dies sollte man immer im Hinterkopf behalten, gerade wenn es um die Frage geht, wie viel Geld man für eine Musikvideoproduktion ausgeben möchte! Eine mögliche Finanzierungsart stellt das „Crowdfunding“ dar: Ein Künstler oder eine Band präsentiert eine filmische Idee bzw. einen Song, zu dem ein Musikvideo gedreht werden soll. Die Fans steuern einen frei wählbaren oder auch vorher fest definierten Geldbetrag bei. Dafür werden ihnen zum Beispiel Backstagepässe für Liveauftritte,

Nennungen im CD-Booklet oder sonstige „Dankeschöns“ zugesprochen. So lässt sich ein Musikvideo relativ kontrolliert vorfinanzieren. Die Internetseite www.startnext.de stellt ein Beispiel für ein solches „Crowdfunding-Portal“ dar.

Team
Wo finde ich jemanden, der mir hilft, ein Musikvideo zu produzieren? Der Freundes- und Bekanntenkreis sollte auf jeden Fall in die Suche einbezogen werden. Kenne ich einen Hobbyfilmer? Kann jemand mit Schnittprogrammen umgehen? Oder studiert sogar jemand aus dem näheren Umfeld an einer Medien- oder Filmhochschule? Sollte sich auf dieser Basis nichts finden lassen, gibt es in der Region Stuttgart zahlreiche Kreativschaffende, die sich mit Musikvideo-Produktionen auskennen – seien es Autoren für ein Drehbuch, Kameramänner für den Dreh selbst oder Cutter, um den Schnitt anzufertigen. Kontaktdaten findet man auf www.productionguide.de, doch auch hier gilt: Qualität kostet Geld. Wenn man einen Profi engagiert, möchte dieser auch bezahlt werden. Trotzdem kann es in einigen Fällen ratsam sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

An einem Musikvideo-Dreh sollten immer mindestens sechs Personen beteiligt sein:
1.)  Produktion/Organisation: Ein Teammitglied kümmert sich um die Planung, Kontrolle und Durchführung der gesamten Musikvideo-Produktion. Diese Person sollte als zentraler Ansprechpartner und Vermittler zwischen den einzelnen Bereichen fungieren. Er/sie sollte sowohl kreative und künstlerische als auch organisatorische und wirtschaftliche Fähigkeiten und Kenntnisse besitzen. Die Hauptaufgaben umfassen Kalkulation, Finanzierung, Medien- und Arbeitsrecht ebenso wie Produktionsorganisation und Produktionsabläufe, Dramaturgie, Stoffentwicklung, Projektentwicklung, Vorproduktion und Postproduktion, Vermarktung und Verwertung.

2.)    Regie/Drehbuch: Der Regisseur sollte das Drehbuch (mit)entwerfen, denn er leitet zusammen mit dem Verantwortlichen für Produktion/Organisation die komplette Produktion und ist für die filmische Umsetzung verantwortlich. Er ist in alle Arbeitsschritte mit eingebunden, von der Drehbuchentwicklung über die eigentliche filmische Arbeit, bis hin zur Postproduktion (Schnitt, Special Effects, Nachvertonung). Hier laufen alle Fäden zusammen, damit seine kreative Vision des Drehbuchs verwirklicht werden kann.

3.)    Kamera: Der Kamermann ist für die visuelle Aufnahme, die Bildgestaltung und Kameraführung zuständig. Neben einem gewissen technischen Know-How ist auch kreatives Verständnis gefragt, da er die Vorstellungen des Regisseurs visuell umsetzt.

4.)    Licht/Ton: Ein Beleuchter ist nicht nur für das korrekte Ausleuchten eines Motivs zuständig, sondern hat auch Einfluss auf die Erzeugung von Stimmungen in den einzelnen Szenen. Natürlich sollte am Set auch für Ton gesorgt sein. Eine korrekte Positionierung der Mikrofone zum Aufnehmen von Dialogen ist hierbei genauso wichtig wie das Abspielen des Playbacks für die Performance eines Künstlers oder einer Band.

5.)    Szenenbild/Requisite: Der Szenenbildner ist für die Gestaltung des Films verantwortlich. Welche Orte eignen sich für die Umsetzung des Drehbuchs? Wie muss das Set aussehen? Passen die einzelnen Orte und Sets zu den Vorgaben des Regisseurs/des Drehbuchs (Epoche, Look, Stimmung)? Auf www.locationguide.de findet man zahlreiche Ideen, an welchen Orten in und um Stuttgart Ihr ein Musikvideo produzieren könnt. Der Requisiteur kümmert sich um alle Ausstattungsgegenstände – vom Sofa bis hin zum Bleistift alles, was für den Dreh benötigt wird.

6.)    Kostüm/Maske: Für die richtige Kleidung der Protagonisten ist der Kostümbildner zuständig. Unter den Begriff „Maske“ fällt nicht nur das Schminken, sondern auch die Veränderung aller sichtbaren Körperteile, also zum Beispiel das Auftragen von künstlichen Wunden oder Narben.

Equipment
Für einen Musikvideo-Dreh sind außer Kamera und Licht noch Mikrofone, Schnittplätze, Requisiten, Kostüme und viele weitere Dinge gefragt. Für manche Produktionen ist am Set auch noch eine Musikanlage für das Playback nötig. Natürlich sollte bei der Equipmentsuche ebenfalls auf vorhandene Netzwerke (Freunde, Bekannte, Verwandte) zurückgegriffen werden. Bei einem Equipmentverleih hat man zusätzlich die Möglichkeit, an eine professionelle Ausstattung zu kommen. Auf www.productionguide.de findet man neben den Vermietern von technischem Material auch Kostüm- und Requisitenverleihe in der Region Stuttgart.

Manchmal jedoch lohnt es sich sogar, kleinere Anschaffungen selbst zu tätigen. So gibt es zum Beispiel für die Post-Produktion relativ kostengünstige Schnittprogramme wie Pinnacle, Adobe Premiere Elements oder Final Cut Express, mit denen man sogar als Neuling auf dem Gebiet des Filmschnitts schon gute Ergebnisse zu einem moderaten Preis (ca. 60 – 170 Euro) erzielen kann.

2. Inhalt und Umsetzung – Was filme ich wie?
Drehbuch
Ein mitgefilmter Auftritt ist kein Musikvideo im eigentlichen Sinne. Ein Clip sollte eine Geschichte erzählen, den Song unterstützen und bildlich umsetzen. Es ist der visuelle Ausdruck eines Liedes. Dadurch wird ein Drehbuch unabdingbar. Ein Drehbuch ist das zentrale Werk jeglicher filmischer Produktion, so auch des Musikvideos. Es ist die textliche Vorlage für einen Film, in dem Personen, Handlung, Drehorte und Dialoge aufgezeichnet sind. Hier einige Tipps zur Drehbucherstellung:
–    Ausarbeitung einer professionellen Strukturierung nach einer Aufteilung in Bilder, die je eine räumliche und zeitliche Einheit
darstellen (so würde z.B. ein neues Bild beschrieben werden, wenn ein Charakter vom Garten in das Haus läuft)
–    Vergabe von Bildnummern
–    Vergabe von Motivnamen (die im Verlauf des Drehbuchs immer gleich bleiben) und Lichtstimmungen (zum Beispiel außen/Tag
oder innen/Nacht)
–    Rollennamen in Großbuchstaben schreiben
–    Dialoge eingerückt schreiben (zur besseren Übersicht)
–    Drehbuchformat: Schriftformat Courier; Schriftgröße 12; 1,5-facher Zeilenabstand; Faustregel: eine Seite Drehbuch entspricht
ungefähr einer Minute Film
Nach der Fertigstellung des Drehbuchs, liest es jeder im Drehteam entsprechend seiner Position (siehe Abschnitt „Team“) und erstellt eine Excel-Liste mit seinen Anforderungen und Besonderheiten. Wie werden die einzelnen Rollen besetzt? Welche Kamera wird benötigt? Welche Drehorte kommen in Frage? Kommen Komparsen/Special Effects/Stunts zum Einsatz? Entsprechend der Listen jedes einzelnen Bereichs wird geprüft, ob ein Dreh unter den gegeben Umständen (finanzielle, personelle Ressourcen) überhaupt machbar ist, das Drehbuch abgeändert oder sogar verworfen werden muss. Eine Vorlaufzeit von acht Wochen sollte zwischen Drehbuch-Abschluss und Drehbeginn gegeben sein, damit genug Zeit für die Suche nach Sponsoring, Drehorten und geeigneten Helfern/Unterstützern bleibt.

Drehplan/Drehbuchauszüge
Kommt der Dreh zustande, sollte ein Drehplan erstellt werden, der nach Drehtagen organisiert ist. Er beinhaltet die wichtigsten Informationen: Was wird wann, wo, mit wem gedreht. Zusätzlich sollten für die einzelnen Szenen noch Drehbuchauszüge vorliegen. Dies sind Auszüge aus den Listen der einzelnen Bereiche mit den genauen Anforderungen und Besonderheiten (wie z.B. Licht/Kamera, aber auch Special Effects, Maske etc.) für die jeweiligen Drehtage. So hat man auf einen Blick alle wichtigen Informationen und Details. Je exakter Drehplan und Drehbuchauszüge verfasst sind, umso weniger böse Überraschungen wird man erleben.

3. Veröffentlichung
Ist das Video abgedreht und nachbearbeitet, muss es natürlich noch veröffentlicht werden. Ein Großteil der geklickten Videos auf www.youtube.com sind Musikclips. Hier kommt man also relativ einfach und kostengünstig an eine große Anzahl von potentiellen Zuschauern. Auch das Einbinden des Musikvideos auf der eigenen Webseite mit Hilfe eines Links des vorher auf Youtube hochgeladenen Videos wird immer populärer. Weitere kostenlose Anbieter von Videoplattformen sind www.myvideo.de, www.vimeo.com oder www.clipfish.de.

Man kann den Clip auch bei Musik-Internetfernsehsendern wie z.B. www.tape.tv einreichen. Mit über 30.000 Videos und mehr als 2 Millionen Nutzern verfolgen die Macher ein überaus erfolgreiches Konzept.

Wichtig: Für alle Mitwirkenden sollte ein Vertrag aufgesetzt werden, in dem Nutzungs- und Leistungsschutzrechte an die Band/den Künstler abgetreten werden. So wird vermieden, dass es zu Unstimmigkeiten bezüglich der Veröffentlichung und Verwertung des Clips kommt.

4. Zum Schluss
Natürlich kann man nicht erwarten, dass die eigene Low-Budget-Produktion mit dem Look in den Videos der großen Stars konkurrieren kann. Jedoch ist es durch kreative Ideen und geschickte Schnitte möglich, auch mit einer Eigenproduktion Leute zu begeistern. Bücher können dabei eine große Hilfe leisten: Thomas Sandmanns Musikvideo-Produktion – Ohne Budget zum professionellen Video (Ppv Medien, ca. 25 Euro, gibt nicht nur eine umfassende Hin- und Anleitung zum Thema Videoclips, sondern auch praktische Tipps sowohl von der kreativen, als auch der technischen Seite der Produktion).
Von der Idee zum fertigen Musikvideo ist es ein weiter Weg, der mit viel Arbeit und gerade im Low-Budget Bereich mit viel Eigeninitiative verbunden ist. Jedoch stellt ein selbst produzierter Clip auf jeden Fall eine besondere Erfahrung dar.
Für weitere Fragen und Beratung steht die Film Commission Region Stuttgart gerne zur Verfügung.


Autor:  Film Commission Region Stuttgart, Breitscheidstraße 4, 70174 Stuttgart, eMail: film@region-stuttgart.de,
www.film.region-stuttgart.de

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