Proberaum

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1. Motivation: Warum ist es wichtig sich selber zu hören?
Timing
Nur wer sich selber gut hört, kann auch im richtigen Rhythmus mit den anderen Bandmitgliedern spielen. Präzises Timing ist das erste und wohl wichtigste Standbein einer guten Band. Hierbei kommt es auf die Grundeinstellung an: „Der Drummer hat immer Recht“ – in Bezug auf das Timing! Auch wenn der Drummer selber kein optimales Timing hat, muss sich der Rest nach ihm richten, alle anderen Instrumente spielen zu sporadisch um als Anhaltspunkt zu dienen – außer man hat einen Dirigenten. Das Gute daran ist, die Snare und das Hi-Hat setzen sich fast immer sehr gut durch. Daher ist es eigentlich leicht – es wird nur von wenigen Musikern gelebt. Größte Bedeutung hat es für den Bass, konform mit dem Schlagzeug zu spielen.

Dynamik
Wer ab dem ersten Ton gegen die Lautstärke der restlichen Band kämpft, spielt immer am Limit. Die Dynamik bleibt auf der Strecke. Die Sänger sind nach dem 3. Titel heiser. Optimale Dynamik kann nur entstehen, wenn im Durchschnitt mit mittlerer Lautstärke gespielt wird. So entsteht der nötige Freiraum um Spannung aufzubauen, man kann an exponierten Stellen im Titel laut abgehen und in anderen Parts wieder leiser werden. Auch hier sind die Drummer gefordert, sie geben die Dynamik vor.

Intonation
Nur wer sich gut hört, kann richtig intonieren. Das gilt insbesondere für den Gesang. Oft werden die Lautsprecher zur Vermeidung von Rückkopplungen von den Sängern weggedreht. Dafür stehen sie im direkten Schallfeld der Instrumentenverstärker. Gitarrenverstärker sind hier besonders kritisch, da Gitarren das gleiche Frequenzspektrum abdecken wie der Gesang. Hört man andere Instrumente lauter als sich selbst, wird es schräg, ohne es selber zu merken.

Die Summe ist der Groove
Die Summe aus Timing, Dynamik und Intonation macht den Groove einer Band aus. Genau genommen gehört auch noch die Phrasierung dazu, aber das ist die Königsdisziplin. Musiker die sich nicht selber hören, spielen im Blindflug. Das kann nicht grooven.

Selbstkontrolle ist das Ziel
Um richtig musizieren zu können, muss man sich selber gut hören können – egal ob es sich um den Gesang oder ein Instrument handelt. Andere Instrumente oder Stimmen in der gleichen Tonhöhe erschweren dies. Um eine gute Selbstkontrolle zu haben, muss der eigene „Nutzpegel“ deutlich höher sein als der Rest. Es ist also von größter Wichtigkeit, sich selber gut zu hören, damit man seinen Teil zum Groove der gesamten Band beitragen kann.

2. Akustik
Schall und Reflektion
Alle Oberflächen reflektieren Schall:
•    Manche stark – Wand- und Bodenfliesen (z. B. im Bad)
•    manche schwach – dicke Teppiche
•    manche reflektieren hohe Frequenzen besonders – Fenster
•    andere reflektieren den mittleren Frequenzbereich – Betonwände

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Reflektion an Wänden
Wände wirken wie ein Spiegel für den Schall.

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Ecken bündeln den Schall. Kuppeln konzentrieren den Schall wie eine Linse das Licht:

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Resonanzen
Parallele Wände führen zu Resonanzen: das passiert wenn sich Schallwellen überlagern nachdem sie ein Mal hin und zurück gelaufen sind. So ergibt sich in einem 3,3 Meter breitem Raum die nied-rigste Resonanzfrequenz bei (330 m/s: 6,6m =) 50 Hz, die zweite bei 100 Hz, die dritte bei 150 Hz, … jeweils bei den Frequenzen dazwischen ergeben sich Auslöschungen, also bei 75 Hz, 125 Hz, 175 Hz, …

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Daher sind schrägwinklige Räume für Tonstudios beliebt, da die Resonanzen sich nicht bilden können.

Frequenzüberdeckung
Neben dem Lautstärkegerangel im gleichen Frequenzbereich, typischer Weise zwischen Gitarre und Gesang, gibt es noch ein weiteres akustisches Phänomen: Frequenzüberdeckung. Darunter versteht man die eingeschränkte Wahrnehmung ca. 1-3 Oktaven höherer Töne, wenn laute tiefere Töne gleichzeitig vertreten sind. Das kann dazu führen, dass bei zu starkem Bass oder Bassmitten der

Mitteltonbereich (Gesang und Soloinstrumente) schlecht wahrnehmbar und unverständlich wird. Mit einer 4-fach Klangregelung kann man das gut ausprobieren: Bassmitten rein, es „mumbelt“. Raus damit und es wird klarer.

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Der Gesang ist viel klarer zu verstehen, wenn man die Bassmitten raus dreht. Das funktioniert besser als die Mitten rein zu drehen und ist sehr hilfreich um Texte und Phrasierungen herauszuhören.

3. Gesunder Probesound
Was macht guten Sound aus
Gesunder Probesound bedeutet im Durchschnitt mittlerer Pegel. Niedrige Lautstärke lässt Platz für Dynamik, wenn es richtig abgehen soll und lässt dem Gesang Platz für Ausdruck und Phrasierung.

Permanent an der Schmerzgrenze
Dauerhaft hohe Lautstärke ist der Feind des guten Sounds. Das Gehör braucht auch Pausen zum Entspannen, um dann den nächsten Lautstärkeschub genießen zu können.

Wie im Proberaum, so auch auf der Bühne: Mit voll aufgedrehten Marshall Stacks in einem kleinen Club macht Ihr dem Tontechnikerdas Leben zur Hölle! Die Monitore müssen bis zur Rückkopp-lungsgrenze aufgedreht werden, eine falsche Mikrofonbewegung und es quietscht. Der Kampf, den Gesang über die Grundlautstärke der Gitarren zu bringen, beginnt. Verlierer ist immer der Sänger: Er hört sich nicht richtig und kann nicht perfekt phrasieren und intonieren. Der Gitarrenverstärker ist auf den ersten 10 Metern vor der Bühne brutal laut. Danach kommen nur noch Bassmitten an, da die Personen davor den Mittelhochtonbereich absorbieren. Was bleibt ist Soundbrei. Die höher stehenden PA Boxen strahlen schräg von oben auf das Publikum und können einen relativ gleich-mäßigen Sound von vorne bis hinten (mit abfallender Lautstärke) erzeugen. Wenn der Gesang schlecht ist, hört das jeder musikalische Laie. Ich habe aber noch nie nach einem Konzert gehört: „Ich habe die Gitarre(n) nicht gehört.“

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Daher die Lautstärke der Gitarren runter während des Gesangs – gebt Gas, wenn Ihr mit Eurem Solo dran seid! Danach geht es wieder leise weiter. Macht den Sound der Gitarre in den Bassmitten nicht so fett, das überdeckt ggf. den Gesang oder andere Soloinstrumente, die im niedrigen Mitteltonbereich angesiedelt sind.

Einsatz von Lautsprechern und Mikrofonen
Abstrahlwinkel von Lautsprechern
Um sich gut zu hören, kann man die akustischen Eigenschaften von Lautsprechern nutzen.
Alle Lautsprecher (außer riesige Basshörner) strahlen die Bässe rund herum ab. Diesen Effekt minimiert man, indem man die Bassbox in die Zimmerecke stellt, das führt zu einer Bündelung im Raum, der Bass wird tiefer, voluminöser und man verlangt der Endstufe bei gleicher Lautstärke weniger Leistung ab. Das gilt sowohl für die Bassbox des Bassisten als auch die Bassboxen der PA. Auch hier gilt, Bassmitten absenken für Transparenz im Gesang und der Soloinstrumente.

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Vertikales Abstrahlverhalten: Grün: 100 Hz, Rot: 300 Hz, Schwarz: 1000 Hz

Der Mitteltonbereich wird breit gestreut und die Höhen gebündelt. Bei einem Breitbandlautsprecher ist dieser Effekt besonders stark. In Gesangs und PA Boxen werden für den Mittel- und Hochton-bereich Hörner eingesetzt, um deren Abstrahlverhalten einander anzugleichen.

Welche Frequenzen nimmt man bevorzugt wahr
Am empfindlichsten ist unser Gehör im Mitteltonbereich, zu den Höhen gibt es einen leichten Abfall, zu den Bässen einen starken, der dazu noch Lautstärke abhängig ist. Bei niedriger Lautstärke werden Bässe kaum wahrgenommen. Das versucht man bei HiFi Anlagen mit Loudness-Schaltungen zu kompensieren.
Wer also besonders leise probt, muss den Bass etwas lauter stellen als den Rest, damit man ihn angemessen hört. Bei höher werdender Lautstärke muss der Bass weniger Dynamik machen als der Rest der Band. Das gilt für den Bassisten und die Bass Drum des Drummers. Auch wenn der Rest des Schlagzeugs leise gespielt wird, sollte die Bass Drum ihren Druck behalten, sonst klingt es leise wie ein Kofferradio.

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Positionierung der Lautsprecher
Die Boxen sollten jeweils auf den Kopf des Musikers gerichtet sein, der darüber spielt. Dafür gibt es schräge Monitorboxen als Gesangsmonitore. Je geringer der Abstand des Lautsprechers zum Ohr umso besser. Also hoch mit den Monitoren, z. B. auf eine Getränkekiste.
Bei Gitarrenverstärkern hat sich die Vernunft nicht durchgesetzt. Es gab mal einen schönen Fender Twin Reverb Röhrenverstärker mit ausklappbarem Ständer, so dass man ihn schräg stellen konnte. Er ist heute leider nur noch bei Vintage Fans zu sehen. Ein Stuhl löst das Problem auch kaum, da so statt den Unterschenkeln der Gitarristen der Po die bevorzugte Hörposition hat. Empfehlenswert sind Verstärker-Stative, bei denen der Aufstellwinkel einstellbar ist, so dass der Kernschall direkt in Richtung des Kopfes vom Gitarristen ausgerichtet werden kann.

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Full Stacks haben im Proberaum höchstens als Boxenhochständer einen Sinn. In einem 40 qm Proberaum macht ein 50 Watt Transistor Combo mehr Lautstärke als ihr je brauchen werdet. Schließlich sollten die Lautsprecher nicht direkt in die Gesangsmikrofone blasen. Aber dazu mehr im Abschnitt Rückkopplungen vermeiden.

Richtwirkung von Mikrofonen
Gesangsmikrofone sind die Hauptrückkopplungsquelle im Proberaum und auf der Bühne.
Gute Gesangsmikrofone für Rockmusik haben sich vor allem durch geringe Neigung zur Rück-kopplung und Robustheit durchgesetzt, viel weniger als durch deren klangliche Eigenschaften. Ein Shure SM85 hat sich zum Standard etabliert genau aus diesen Gründen. Es ist nahezu unverwüst-lich und generiert bei Bewegung und Stößen fast keine Nebengeräusche. Es gibt viele Mikrofone mit besseren Klangeigenschaften, die aber eine geringere Richtwirkung haben, körperschallemp-findlicher sind und daher eher in leiserem Umfeld zum Einsatz kommen, z. B. bei Studioaufnahmen.

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Fast alle Gesangsmikrofone für den Bühneneinsatz sind Richtmikrofone. Sie nehmen den Mittel-hochtonbereich fast ausschließlich von vorne auf. Daher sollte es auch so aufgestellt werden, dass der Sänger gerade rein singt. Fremdschall (Monitor und andere Instrumente) sollte hauptsächlich von hinten oder der Seite kommen, damit sie möglichst wenig übertragen werden. Wenn nebenbei die Gitarre über das Gesangsmikrofon übertragen wird führt der Gesangshall dazu, die Gitarre zu vermatschen. Das ist im Live Einsatz aber weniger relevant als es zunächst klingt, bei Studioauf-nahmen ist das ein absolutes No Go, daher stellt man Sänger ja auch in eine Gesangskabine und spielt ihnen die anderen Instrumente über Kopfhörer ein.

5. Dämmung
Dämmungsziele:

1. Schallschutz nach außen, um andere nicht zu stören
2. akustische Optimierung im Raum für einen besseren Probesound

Zu 1.: Ein Gebäude verfügt über gute oder schlechte Schalldämmeigenschaften nach außen und zu den Nachbarräumen. Darauf kann man beim Bau durch die Wahl der Materialien Einfluss neh-men. Diese Eigenschaften in einem bestehenden Gebäude zu verbessern geht nur mit erheblichem Aufwand und viel Masse, z. B. doppelte schwere Wände ziehen und Schallschutzfenster einbauen.
Das Einfachste, was man nachträglich machen kann, ist die Schallemission in das Gebäude an der Quelle zu reduzieren. In der Regel sind die Hauptprobleme die Bassübertragung durch die Wände. Hier helfen folgende relativ einfache Mittel zur Entkopplung:
•    eine Bitumen Matte (für Waschmaschinen aus dem Baumarkt) unter die Bassbox legen
•    ein Schlagzeugpodest, z. B. aus schweren Spanplatten, das mit Teppich beklebt ist und auf weichem Montageschaum oder  Schaumgummi (Matratzen) steht.

Weiterhin bilden Kabelkanäle, Türen und Fenster häufig Schallbrücken nach außen oder zu den Nachbarräumen:
•    Kabelkanäle kann man mit Montageschaum oder Akustikwolle dämpfen
•    Türen verdoppeln, so dass die Eingänge zu einer Schleuse werden mit einer zweiten Zarge, eine öffnet sich in den Raum, die zweite nach außen
•    Doppelglasige Fenster einseitig bekleben mit schweren Metallplatten, um deren Resonanzfre-quenz zu senken und die beiden Scheiben gegeneinander zu „verstimmen“

Zu 2. nun alles Weitere:
Dämmmaterial:
Prinzipiell dämmen Stoffe gut. Je größer die Fläche und je dicker der Stoff, desto besser der Ef-fekt. Je größer der Abstand zur Wand, desto stärker die Dämmung. Wer also einen dünnen Stoff platt an die Wand hängt, dämmt oberhalb von 8 kHz. Wer dazu dicken Stoff nimmt, vielleicht ab 5 kHz. Beides ist in der Regel oberhalb der Problemzone. Ein Vorhang mit 10 cm Wandabstand wirkt schon ab ca. 500 Hz, da wo man es gegen typische Rückkopplungsprobleme braucht. Akustik-dämmwolle kann hinter dem Stoff an die Wand montiert werden und verstärkt den Effekt. Es gibt auch Noppenschaumstoff, der als Diffuser eingesetzt werden kann. Es sieht zu dem cool aus und vermittelt Studioatmosphäre. Für das Material mit 10 cm Stärke muss man richtig Geld hinlegen. Dünneres ist billiger, aber hilft auch nicht unbedingt da wo man es braucht. 5 cm Stärke sollte der Schaumstoff schon haben.
Teppiche sind auch sehr gut, je dicker desto besser, mit Abstand an die Wand noch besser. Ich persönlich habe mich für Bühnenvorhänge aus Molton – ein filzähnliches Material – entschieden die ich auf 8 cm starke Balken gehängt habe.

Das verbessert die Akustik des Stahlbetonbaus schon erheblich.

Vorteile:
•    schwer entflammbar
•    hohe Dichte (300 g pro qm) und damit gute Dämmeigenschaften
•    leicht zu verarbeiten, da er nicht ausfranst an den Schnittkanten
•    passables Preis-/Leistungsverhältnis
•    vermittelt Bühnenatmosphäre im Proberaum

Vor großen Fensterflächen ist eine Dämmung notwendig, insbesondere wenn die Lautsprecher auf die Fenster zielen und ein Mikrofon davor steht.

Position des Dämmung
Die Dämmung sollte da angebracht werden, wo sie am meisten bewirkt und nötig ist. Besonders wirksam ist sie in den Ecken, da hier eine besondere Bündelung des Schalls entsteht. Eine Däm-mung der Reflektionen im Mittel- und Hochtonbereich an den Wänden hinter Mikrofonen reduziert die Rückkopplungsneigung. Einfachstes Mittel um akustisch harte Oberflächen wie Fenster zu Dämmen ist ein dicker Vorhang.

Kosten
Molton pro laufender Meter, 3 m breit: ca. 10,- €
Akustikdämmwolle (Steinwolle) z. B. für Dachsparrendämmung aus dem Baumarkt pro Paket oder Rolle ca. 1 m³ komprimiert (wenn man es auspackt werden 2 m³ daraus): 10,- bis 20,- €  pro Paket
Noppenschaumstoff, je nach Stärke 2 – 10 cm: 8 – 25 € pro qm
Bitumen Akustikdämmmatten 25,- €
Schlagzeugpodest aus Spanplatten, Bauschaum und Teppich: 30 – 50,- €

Alternativen – Eierkartons – vergesst sie!
•    nutzlos
•    sinnlos
•    leicht entflammbar
•    dilettantisch
Literaturhinweis: Eierkartons zur „preisgünstigen“ Verbesserung der Akustik? Nein danke!

6. Rückkopplungen vermeiden
Monitore oder PA
Für eine Band ist es fast immer sinnvoller in eine gute Monitoranlage zu investieren als in eine mäßige PA. Die kleinen Gigs spielt Ihr über die Monitoranlage, bei den großen bekommt Ihr häufig eine PA gestellt oder Eure ist zu klein oder zu groß! Von dieser Regel gibt es nur die Ausnahme der gut gebuchten Party Bands, die haben aber meistens die PA im LKW und eine Gesangsanlage zum Proben im Übungsraum. Die PA wird nur zum Gig ausgeladen.

Je einen aktiven Monitor pro Musiker und ein Mischpult mit der benötigten Anzahl von Kanälen ist eine gute Proberaumausstattung. Sehr praktisch sind Monitorboxen, die auch einen Boxenhoch-ständer-Flansch besitzen. Damit können sie auch für kleine Gigs als

Gesangsanlagenbox oder Mittelhochtonbox in einer PA eingesetzt werden. Mit einem Mischpult mit einer Stereo Summe und 2 Monitor- oder Effektwegen können so 4 indivi-duelle Spuren entstehen:
•    Rechts
•    Links
•    Monitor 1
•    Monitor 2 oder Effektweg
Wird das Signal aus dem Effektweg auf die Gesangsmonitore geschickt, hören sich die Sänger ohne Effekt (Hall oder Echo) besonders klar. Der trockene Monitor springt einen förmlich an. Das Effektsignal kommt dann nur aus der Stereo Summe (Rechts und Links), was den Sound transpa-renter und breit macht.

Lautsprechertypen
Lautsprecherbestückung: Heute sind Zweiwegboxen Stand der Technik. Für den Drummer sollte ein 15″ Basslautsprecher drin sein, damit er den Bass und ggf. die Bass Drum darüber gut hören kann. Für den Bassisten gilt das Gleiche, falls er ohne Bassverstärker über die Gesangsanlage spielt. Sonst reichen 12″ Speaker für die anderen Musiker.

Selfpowered- oder Passiv-Boxen:
Selfpowered-Boxen haben den Verstärker im Lautsprechergehäuse integriert und bieten den Vorteil der höheren Flexibilität. Sie sind aber etwas schwerer als Passive. Dafür entfallen die Endstufen und in der Summe ist es deutlich preiswerter und einfacher zu handhaben. Lautsprecherkabel entfallen, die Signalübertragung erfolgt über normale Mikrofonkabel, dafür muss man zusätzlich Strom zu den Boxen verlegen. Hochwertige Selfpowered-Boxen haben elektronische Lineari-sierungen der Lautsprecher, was sie besonders rückkopplungsarm machen.

Aktive oder passive Frequenzweiche:
Für beide Boxentypen gibt es Modelle mit aktiven und passiven Frequenzweichen. Bei einer aktiven Frequenzweiche sind für Tief- und Hochtöner separate Verstärker vorhanden. Diese Boxen verfügen daher meist über einen besseren Klang, höheren Wirkungsgrad und bei teureren Modellen über Schutzschaltungen wie Kompressoren und Limiter, die auf die verbauten Lautsprecher abgestimmt sind, so dass sie nicht verzerren und nahezu unzerstörbar sind.

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Bei einfacheren Modellen sind die Endstufen so ausgelegt, dass sie die Lautsprecher kaum über-lasten können, Verzerrungen durch Übersteuerung sind aber möglich.

Durch-Quietschen
Wenn alles verkabelt ist, kann der Soundcheck beginnen. Stellt die Lautsprecher so ein, dass sie möglichst als gleichmäßig laut wahrgenommen werden. Dann dreht Ihr Mikrofon für Mikrofon einzeln laut (bei linearer Einstellung der Klangregelung). Dreht jeweils bis eine Rückkopplung beginnt und dann wieder ein wenig zurück nehmen bis sie abklingt.

Kompensation der Raumakustik
Nun am Equalizer – so fern vorhanden – jedes Frequenzband anheben bis es anfängt zu Koppeln, dann wieder bis kurz unter die Rückkopplungsgrenze zurück drehen. Falls kein Equalizer vorhan-den ist, kann dieser Schritt übersprungen werden.

Klangregelung der Kanäle
Danach für jedes Mikrofon die Klangregelung bis an die Rückkopplungsgrenze aufdrehen und bis zu deren Abklingen zurück drehen.
Nach dieser Prozedur klingt der Gesang meist schon recht natürlich. Schließlich hat man damit quasi die gesamte Kette von Mikrofon über Verstärkeranlage, Lautsprecher und Raumakustik entzerrt.
Sind nun Klangeinstellungen für einzelne Stimmen notwendig, sollten die durch Absenkung der Frequenzen gemacht werden. Wer jetzt an einem Regler weiter aufdreht, erntet postwendend eine Rückkopplung oder er muss vorher die Lautstärke reduzieren.

Bass Cut
Für Mikrofone sollte, sofern am Mischpult vorhanden, der Bass Cut am Mixer eingeschaltet wer-den. Das reduziert den Körperschall und Plopp-Geräusche des Mikrofons. Ausnahmen sind die Kanäle der Mikrofone für Bass Drum, Bass, Tuba, dem Bass-Sänger in der Acapella Band, Susa-phon, Alphorn, Didgeridoo … – eben für alle Instrumente, die unter 100 Hz noch was von sich geben.

Inear Monitor / Kopfhörer
Ein sehr guter Weg Rückkopplungen zu Vermeiden ist Inear Monitoring. Das kann man auch mit normalen Kopfhörern im Proberaum machen. Fast alle Mischpulte haben einen schaltbaren PFL (=Vorhören, Kanal auf Kopfhörerausgang und Aussteuerungsanzeige schalten). Schaltet einfach die Gesangsmikrofone auf PFL und setzt ihnen Kopfhörer auf, die über einen Verteiler an den Kopfhörerausgang angeschlossen werden. Geschlossene Systeme sind zu bevorzugen, da sie die Lautstärke der Umgebungsmusik reduzieren. Die Kopfhörer sollten vom gleichen Typ sein. Zumin-dest sollten sie einen ähnlichen Wirkungsgrad besitzen, damit die Lautstärkeunterschiede nicht so groß sind. Gesangsmonitore können so entfallen, nur für die anderen Nichtsänger sollte der Gesang etwas auf deren Monitoren ausgesteuert werden. Rückkopplungsprobleme sind damit (eigentlich) passé!

Achtung: Mit Rückkopplungen über ggf. verbleibende Lautsprecher muss man aber extrem vor-sichtig sein, die Kopfhörer übertragen das Pfeifen schließlich auch. Das kann einem so richtig das Trommelfell grillen. Richtige Inear Monitoring Anlagen verfügen daher über einen Limiter, der gehörschädliche Lautstärke auf dem Kopfhörer vermeidet.

Mikrofonhandhabung
Sehr „hip“ vor allem bei Hoppern ist das Halten des Mikrofons am Mikrofonkorb. Was da im Mikro-fon  passiert, ist die akustisch die Hölle: Es bilden sich in der Handinnenfläche Resonanzen im hohen Mitteltonbereich, also werdet Ihr Rückkopplungen haben oder der Monitor ist so leise, dass Ihr Euch nicht hört. Sieht cool aus, für den Tontechniker ist das aber total uncool. Wenn Ihr das im Fernsehen seht, ist das 100% Playback, daher ist es für die kein Problem. Herumfuchteln mit dem Mikrofon, es in Singpausen nach unten halten und direkt vor den Hochtö-ner vom Monitor … auch das geht nur im Playbackbetrieb. Beachte die Richtwirkung Eures Mikrofons und halte es so, dass der Monitor auf die unempfind-lichste Stelle trifft, dann habt Ihr Ruhe vor Rückkopplungen und hört Euch gut.

7. Speaker Setup
Lautsprecher ausrichten:
Die Lautsprecher sollten jeweils auf den ausgerichtet sein, der sich darüber hören will. Insbesondere der Hochtöner sollte in Richtung des Kopfes gerichtet sein. Bei Sängern sollte er das Mikrofon von der unempfindlichsten Seite anstrahlen, also von hinten oder von der Seite. Wenn der Sänger mit seinem Mikrofon vor der Box steht, geht das Gepfeife spätestens los, wenn der den Kopf dazwischen wegnimmt. Die PA- oder Gesangsboxen stehen am besten in den Ecken hinter dem Schlagzeuger. Für quad-ratische oder längliche Räume ergeben sich so zwei unterschiedliche günstige Varianten:

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Die Boxen sollten mit so genannten Tilt-Stativen ausgestattet sein oder abgewinkelten Wandhalte-rungen. Bis der Schall dann über viele Reflektionen an Boden, Wand und Decke ins Mikrofon strahlt, ist ihm durch die Dämmung so weit der Zahn gezogen, dass nichts mehr rückkoppelt. Obwohl man sich genau so gut hört wie aus waagerecht ausgerichteten Boxen.

Eigener Monitor:
Idealer Weise hat jeder Musiker einen eigenen Monitor, der ihm direkt auf die Ohren strahlt. Das geht gut von unten, idealer Weise stehen die Monitore etwas erhöht, dann braucht man weniger Endstufenleistung, hört sich selber dennoch gut und stört die anderen weniger. Das geht aber auch sehr gut von oben, wenn man die Boxen ordentlich ander Decke befestigt und nach unten strahlen lässt. Großer Vorteil dabei: man gewinnt zusätzlichen Platz zum Einüben der Bühnenperformance in den typischer Weise zu engen Proberäumen. In beiden Fällen reduziert man durch den schrägen Abstrahlwinkel das Rückkopplungsrisiko aufgrund der mehrfachen Reflektionen bis der Schall ins Mikrofon gelangt.

Gitarrenverstärker: Jetzt sind die Gitarristen dran. Ihr habt bestimmt schon gemerkt: Schräg ist Trumpf. Das gilt auch für den Gitarrenverstärker. Er sollte so ausgerichtet sein, dass der Gitarrist im Kernschallpegel seiner eigenen Box steht. Um die Nerven der Mitmusiker zu schonen, sollte er auch möglichst dicht dran stehen. In kleinen Räumen bei Bands mit zwei Gitarristen kann es auch sinnvoll sein die Verstärker überkreuz aufzustellen, jeder föhnt dem anderen die Waden, aber hört sich selber gut.

Bassbox: Wie schon gesagt, die gehört in die Ecke, neben oder hinter den Drummer für die bandinterne Kommunikation zwischen Drummer und Bassist. Alternativ hört der Drummer den Bassisten aus seinem Monitor, dem Drumfill.

8. Bandinterne Kommunikation
Kreis: Beim Proben ist ein Blick ins Gesicht der Mitmusiker oder die Haptik des Drummers oft sehr viel sagend – letzteres insbesondere für einen synchronen Abschlag. Daher sollten sich alle Bandmitg-lieder gegenseitig sehen können. Das geht am besten im Kreis und das ist auch bei fast allen Proberaumgeometrien möglich. Die Gesangsmonitore sollten also vor die Bass Drum gestellt werden und alle Musiker im Halbkreis darum herum stehen. Alternativ können in kleinen Räumen die Boxen auch hinter dem Drummer aufgestellt werden oder ganz elegant darüber aufgehängt werden. Die Nichtsänger können etwas weiter hinten stehen. Der Bassist sollte immer möglichst dicht beim Drummer stehen und ihm auf die Finger schauen können. Am besten auf der Seite von der Hi Hat.

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Doppelt belegter Proberaum mit 2 Schlagzeugen:
Hier hilft eine Aufstellung der Drummer gegenüber, entweder an den Stirnseiten eines länglichen Raumes oder  in den Ecken eines quadratischen. Die Boxen der (gemeinsam genutzten) Ge-sangsanlage hängt man dann entweder auf beide Seiten in die Raummitte oder in die freien Ecken.

Bühnensetup:
Die letzte(n) Probe(n) vor dem Auftritt sollte(n) eine Vorbereitung auf die Bühnensituation sein. Also alle schauen in eine Richtung – ins Publikum. Hierzu ist ein Aufbau, bei dem alle mit dem Rücken zum Drummer zu stehen, also wie beim Gig, geeignet. Hierbei lernt man, mit der verminderten internen Bandkommunikation auszukommen.

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Es hilft auch sich die Stellen einzuprägen, in denen man sich zum Drummer umdrehen muss, z. B. damit der letzte Abschlag synchron kommt.

Zusammenfassung
•    Ein gesunder Probesound entsteht durch möglichst niedrige Lautstärke.
•    Nur wer sich selber richtig hört, kann auch mit den Mitmusikern präzise zusammen spielen.
•    Wichtigstes Kriterium ist dabei alle anderen so leise wie möglich, sich selber so laut wie nötig zu hören.
•    Zweckmäßige Schalldämmung kann recht preiswert sein. Beim Equipment kommt es hauptsächlich auf die zweckmäßige    Ausrichtung der Mikrofone, Lautsprecher und Instru-mentenverstärker an, um sich selber gut zu hören.
•    Um Rückkopplungen zu vermeiden, helfen einfache Möglichkeiten der Klangregelung am Mischpult.
•    Eine geschickte Aufstellung im Proberaum fördert die Bandkommunikation, verbessert den Sound und damit das Zusammenspiel.

Mit wenigen einfachen Mitteln lässt sich also eine ganze Menge erreichen.

Den gesamten Text gibt es auch als Hörbuch zum Download unter Rooms4Music


Autor: Klaus Forster, www.Rooms4Music.de

Klaus Forster: Angefangen hat alles ca. 1970 mit dem Akkordeon- und Orgelunterricht. Dann kam Gitarre, E-Gitarre und die erste Schülerband. Der Spaß an der Musik, und das noch größere Interesse an den Verstärkern und Boxen, brachte ihn zum Elektrotechnik Studium, das er sich durch das Mitwirken in mehreren semiprofessionellen Cover Bands finanzierte. Nach dem Studienabschluss 1988 ging es beruflich nach Marburg zur Simulationstechnik: Elektronik-, Regelungstechnik- und Mehrkörper-Simulation. 1995 gründete er die Multimedia- und Music-Service Dienstleistungsgesellschaft für Audio- und Videotechnik mbH. Seit 2000 ist er in Ludwigsburg mit der Band Pleasure Pigs aktiv, mit der es aber kaum aus der Proberaum Baracke rausging. Ende 2009 war es Zeit den Zustand zu ändern, so gründete Klaus Forster Rooms4Music e. K. und betreibt seit dem das Proberaum Zentrum Stuttgart.

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