Moderation

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So kommst Du gut rüber
Bühnenansagen sind wichtig, weil Ihr damit das Publikum durch Euer Konzert leitet. Sie sind das verbindende Element zwischen den Songs und Orientierungshilfe für’s Publikum z.B. wenn’s wegen einer gerissenen Gitarrenseite eine kleine Pause geben muss. Und Ihr stellt dadurch auf der emotionalen Ebene eine Beziehung zu Euren Zuhörern her.

Moderationen und Bühnenansagen reißen dann Eure Fans mit, wenn Ihr sie nicht nur als ungeliebte Lückenfüller seht. Ihr habt es in der Hand, sie, wie auch Eure Musik, zum Identifikationsmedium für Euer Publikum zu machen. Relativ einfach gelingt Euch das, wenn Ihr ein paar Grundregeln beherzigt:

In den Moderationen tragt Ihr die Atmosphäre Eures Konzerts weiter. Deswegen ist es wichtig, dass Frontfrau oder Frontmann körperliche, mentale und emotionale Präsenz ausstrahlt. Es ist ihre/seine Aufgabe, das Publikum zu erreichen; sie/er hat eine Art Führungsposition. Und die Zuschauer erwarten auch, dass Frontfrau oder Frontmann diese Rolle übernimmt. Macht Euch bewusst, dass da Kommunikation mit Euren Fans stattfindet, dass Ihr also nicht Alleinkämpfer seid – Eine Moderation ist nur scheinbar ein Monolog. Genauso wie bei Eurer Musik ist es ein Geben und Nehmen. Hört zu, wie die Stimmung ist und spürt mal rein in Eure Fans, wie sie drauf sind. Greift auf, was Ihr merkt, lasst es in die Art, wie Ihr sprecht, einfließen.

Lampenfieber
Die Leute sind wegen Euch da. Diese Überlegung kann auch gut gegen Lampenfieber helfen. Viele empfinden Lampenfieber also störend. Aber seht es doch mal anders herum: Ihr seid total aufgeregt! Dann muss es doch etwas sein, was Euch wirklich wichtig ist! Lampenfieber an sich ist übrigens vor einem Auftritt sehr gut, denn es heizt Euren Körper zu außergewöhnlichen Leistungen an. Wirklich störend kann es erst werden, wenn es Euch blockiert.

Wenn Ihr oft sehr aufgeregt seid, macht Euch klar, woher die Nervosität kommt. Was denkt Ihr über Euch? Was glaubt Ihr, denken die Leute über Euch? Wandelt negatives Denken in kleine Zielschritte um. Nehmt Euch nach dem Konzert Zeit, zuerst festzuhalten, was gut gelaufen ist, womit Ihr zufrieden seid. Dann kommt zu den Dingen, die Ihr noch verbessern möchtet. Nehmt Euch für das nächste Mal eine Sache vor und bleibt an dem dran, bis Ihr zufrieden seid. Seht es als einen Prozess und erwartet nicht von Euch, dass Ihr mit einem Mal alles super könnt.

Und denkt weniger an Eure Aufregung, sondern konzentriert Euch auf das, was Ihr gut könnt: Eure Musik. Auch wenn Ihr Euch für schüchtern haltet, bleibt im Kontakt mit dem Publikum, das wirkt locker und sympathisch. Ganz wichtig dafür ist, dass Ihr im Blickkontakt mit den Leuten bleibt, dass Ihr sie anschaut. Mein Tipp für Euch: Mut zur Lücke und keine Angst vor Fehlern! Es ist erwiesen, dass Zuschauer kleine Fehler sympathisch finden. Macht eine Stärke daraus, zeigt, dass Ihr über der Situation steht, indem Ihr in der nächsten Moderation über den Fehler, das kleine Missgeschick sprecht.

Authentizität
Ein guter Moderator bzw. Frontfrau/mann wirkt deshalb so gut, weil sie/er authentisch ist. Damit Ihr zu einer authentischen Ausstrahlung kommt, solltet Ihr wissen, welcher Moderationstyp Ihr seid: frech, witzig, ernsthaft, provokant. Was liegt Euch? Findet es heraus und steh dazu. Überlegt Euch mal, was Eure Stärken sind. Was könnt Ihr gut? Was sagen andere über Euch, was finden Sie gut an Euch? Das gibt Euch die Richtung vor, in der Ihr mit dem Ausprobieren anfangen solltet. Entwickelt so mit der Zeit Euren eigenen Stil. Nehmt Euch für das nächste Konzert vor, was Neues zu wagen. Stellt im Nachhinein fest, wie Ihr das fandet. Probiert weiter aus. Allmählich findet Ihr heraus, was Euch gut macht, was Euch einmalig macht. Wenn Ihr Eure Stärken kennt und sie einsetzen könnt, dann seid Ihr authentisch. Das kommt gut an bei Eurem Publikum.

Vorbereitung ist alles
Macht Euch klar, was Ihr mit Eurer Moderation beim Publikum auslösen wollt. Und dann schreibt doch mal zur Übung eine Moderation. Vorbereitung hilft Euch, Euch auf der Bühne wohl zu fühlen. Überlegt Euch vorher, worum es in dem Song geht, der grade dran war oder der jetzt kommt. Macht ein Brainstorming dazu, was Ihr alles sagen könntet. Dann entscheidet Euch für einen emotionalen Anknüpfungspunkt, z.B. das Gefühl Liebe oder das Gefühl Wut. Überlegt Euch 2 – 3 Sätze, die Ihr dazu sagen wollt. Sie sollten die Geschichte aus dem Song weiter transportieren und das beinhalten, was Ihr wirklich sagen wollt. Übt, diese Sätze emotional, kurz und auf den Punkt zu sprechen. Eine Ansage muss nicht lang sein, im Gegenteil: Weniger ist mehr. Aber übt, Euch kurz zu fassen. Welche Worte Ihr wählt, ist auch nicht unwichtig. Bleibt so nah wie möglich an Eurer Art zu sprechen. Denkt nicht, nur weil Ihr jetzt „moderiert“, Ihr solltet gestochenes Hochdeutsch reden. Es geht viel mehr darum, dass Ihr die Sprache Eures Publikums trefft. Verwendet Worte, die Ihr und sie nutzen. Und sprecht so, dass es interessant klingt. Lasst Eure Stimme abwechslungsreiche Melodiebögen machen, so als ob Ihr gerade einer Freundin oder einem Freund Etwas erzählt, was Euch sehr wichtig ist.

Körpersprache
Wenn Ihr moderiert, schaut die Leute an. Wenn Ihr Euch vor dem Konzert den Raum angeschaut habt, wisst Ihr, wo ungefähr die Leute stehen, auch wenn Euch Scheinwerfer blenden. Blickkontakt ist sehr wichtig, um in Kommunikation zu sein mit Eurem Publikum und um die Inhalte wirklich zu ihnen zu bringen. Auch, wie Ihr steht, geht und was Eure Hände und Euer Gesicht machen, wird von den Zuschauenden registriert. Eure Körpersprache signalisiert anderen Menschen eine Menge über Euch. Ihr könnt vor dem Spiegel üben, bei welchen Bewegungen Ihr Euch wohl fühlt. Generell kommt es gut an, wenn Ihr locker steht und Eure Arme und Hände mitgestikulieren beim Sprechen. Auch Euer Gesicht darf miterzählen, worüber Ihr gerade sprecht.

Die Zuschauer wollen verstehen, was Ihr sagt, deshalb sprecht nicht zu schnell und auch deutlich. Ein Dialekt ist kein Problem, wenn Ihr in Eurer Heimatregion seid –  das wirkt übrigens auch authentisch, das Publikum identifiziert sich mit Euch.

Bedenkt aber, dass die Leute Euch woanders nicht so gut verstehen. Und macht Pausen zwischen den Sätzen, sonst kann Euch keiner folgen. Pausen werden übrigens von den Zuhörenden deutlich kürzer empfunden, als von dem, der spricht. Natürlich könnt Ihr zwischen zwei Songs auch mal nichts sagen.

Also, investiert nicht nur Zeit in Eure Songs und Proben, sondern auch in das, was das ganze Konzert zusammenhält: Eure Ansagen und Moderationen. Übt bei der nächsten Probe Eure Songs und die Ansagen dazwischen. Das hilft der- bzw. demjenigen, der den Moderationspart hat und gibt auch der gesamten Band ein gutes Gemeinschaftsgefühl.

Wichtig ist, dass Ihr beim Konzert keinen Unterschied macht zwischen Musik machen und
Moderieren. Lasst die Begeisterung, mit der Ihr Eure Musik macht, sich auch durch Eure Ansagen ziehen. Übertragt sie in Euer Sprechen, seht die Moderation als gesprochenen Ausdruck dessen, was Ihr mit Eurer Musik sagen wollt. Dann springt auch dabei der Funke zu den Fans und zu denen, die es noch werden sollen, über.


Autor: Jenny Ulrbicht

Die Schauspielerin und Kommunikationstrainerin ist zu sehen auf Bühnen in und um Stuttgart, auch mit Lesungen und Chansonprogrammen. Weiterhin gibt sie Trainings im Bereich Medien für den SWR, DASDING, Antenne 1, Radio 7 u.a. Sie arbeitet mit Schauspielern und Moderatoren und gibt Seminare für Atem, Stimme und Präsentation. jenny.ulbricht@web.de

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