GEMA und GVL

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GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) und GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten mbH) sind ein wichtiges und leider auch kompliziertes Thema. Wenn Du aber Geld mit Deiner Musik verdienen möchtest, gibt es wie üblich: Regeln.

Früher war es durchaus schwierig, genaue Informationen über die GEMA und die GVL zu erhalten. Heute sind die Internetseiten informativ und recht übersichtlich gestaltet und auch telefonisch lässt sich vieles klären.  Siehe: www.gema.de und  www.gvl.de.
Kleiner Tipp: Vormittags lädt die GEMA Seite nicht gut oder gar nicht. Dann einfach Geduld haben und später nochmals versuchen.
Nutzt diese Informationsangebote, sie können Euch einiges an Geld einbringen.

Ein Beispiel: Du bist ein Singer/Songwriter (d.h. Interpret und Komponist), hast bereits eine Platte aufgenommen und lebst in Stuttgart. Ein Café in Kassel möchte Songs von Deiner CD als Hintergrundmusik nutzen. Gäbe es die GEMA und die GVL nicht, müsste der Gastronom Dich (eigentlich) ausfindig machen, um Deine Erlaubnis einzuholen, eine angemessene Vergütung mit Dir vereinbaren und den vereinbarten Betrag natürlich auch bezahlen. – Ein unglaublicher Aufwand für 3:30 Minuten.
Umgekehrt müsstest Du natürlich erst einmal erfahren, dass in Kassel Dein Stück gespielt und somit genutzt wird. Wenn Du Mitglied bei der GEMA und GVL bist und Deine Songs sowie Aufnahmen dort gemeldet hast, erledigen die das alles für Dich – Und das natürlich nicht nur in Kassel, sondern in ganz Deutschland und darüber hinaus.

Die Welt ist groß. Du als Autor, d.h. Komponist oder Textdichter, bist unmöglich in der Lage, alle Nutzungen Deiner Musik zu registrieren, sie zu genehmigen und die Vergütungen dafür zu vereinbaren. Du stehst also quasi als Einzelkämpfer auf weiter Flur alleine da. Umgekehrt ist unser Café-Betreiber in Kassel natürlich ebenso wenig in der Lage, die Nutzung von Musik in seinem Etablissement allein zu regeln. Denn sicher will er nicht nur Deine Musik nutzen, sondern die von Dutzenden oder gar Hunderten anderer Künstler auch, von denen etliche wahrscheinlich sogar im Ausland leben.

Da es vielen Künstlern und Verwertern so geht, wurden Verwertungsgesellschaften gegründet; die GEMA zum Beispiel schon vor mehr als hundert Jahren. Diese haben die umfangreiche Aufgabe, für die Nutzung der Werke ihrer Mitglieder allgemein verbindliche Tarife aufzustellen und alles dafür zu tun, das Geld nicht nur reinzuholen, sondern anschließend auch schnell und richtig an alle Rechteinhaber zu verteilen. Wobei natürlich klar sein muss, dass eine Vergütung nur dann fällig wird, wenn das Werk, d.h. der Song, die Komposition oder der Text auch genutzt wird. Von nichts kommt nämlich nichts.
Das Repertoire, das von den Verwertungsgesellschaften vertreten wird, darf von jedermann genutzt werden, muss aber zu den veröffentlichten Bedingungen der Gesellschaften bezahlt werden.

Weder die GEMA noch die GVL sind in allen Zusammenhängen, in denen Musik genutzt wird, tätig. Die GEMA aber zum Beispiel in den wichtigsten:

  • Aufführung – Live-Musik
  • Mechanische Vervielfältigung – Tonträger und Bildtonträger
  • Sendung – Rundfunk und Fernsehen
  • Öffentliche Wiedergabe – Diskotheken, Gaststätten, Anrufbeantworter u. v. m.

Anders als die GEMA, die urheberrechtliche Vertretung der Komponisten, Texter und Musikverlage, befasst sich die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL) mit der urheberrechtlichen Vertretung der ausübenden Künstler (Musiker, Sänger, Tänzer, Schauspieler und alle sonstigen Werkinterpreten) und der Hersteller von Tonträgern und Bildtonträgern. Die GVL kümmert sich um die sogenannten Zweitverwertungsrechte der Künstler und Hersteller – also genauer gesagt um die Zweitverwertung Eurer künstlerischen Darbietungen und erschienenen Tonträgern mit Aufnahmen von Euch  – und zieht auf Basis der von ihr aufgestellten Tarife und abgeschlossenen Verträge Vergütungen für die Leistungen der Interpreten und -hersteller ein, um sie an die Berechtigten zu verteilen.

Die GVL vertritt Ihre Mitglieder gegenüber:

  • Hörfunk- und Fernsehsendern für die Verwendung bereits veröffentlichter Tonträger in deren Programmen
  • Diskotheken, Gaststätten, Hotels etc. für die öffentliche Wiedergabe von Tonträgern und von Radio- und Fernsehsendungen
  • Kabelbetreibern für die Einspeisung von Fernseh- und Hörfunkprogrammen ins Kabelnetz
  • Herstellern von Aufnahmegeräten und Leermedien für die private Überspielung von Tonträgern und Videokassetten sowie von Radio-und Fernsehsendungen

und in anderen Fällen der Zweitverwertung von künstlerischen Darbietungen und erschienenen Ton-/Bildtonträgern z.B. in Videotheken und öffentlichen Bibliotheken, aber z.B. auch in Sammlungen für den Schul- und Unterrichtsgebrauch.

Merke:

Die GEMA handelt im Auftrag der Komponisten, Textdichter und Verlage
Die GVL handelt im Auftrag der ausübenden Künstler und Ton- und Bildtonträgerhersteller
Beide – GEMA und GVL – stellen Tarife auf, schließen Verträge ab, ziehen die dafür fälligen Vergütungen ein und verteilen sie weiter an die Berechtigten.

Ab wann lohnen sich Mitgliedschaften bei GEMA und GVL?

digital veröffentlichte Musik den Weg ins öffentlich-rechtliche Radio gefunden hat und dort gespielt wird. Alle öffentlich-rechtlichen Radios müssen die gesendete Musik nämlich an die GVL melden und dort bezahlen.

Die GVL verteilt das Geld via „pay per play“ an die Berechtigten weiter. Große Privatradio bzw. Privatradios mit großen Reichweiten melden und zahlen ebenfalls an die GVL. Kleine Sender wie Uni-Radios, zahlreiche kleine Privatradios wie z.B. Radio Dreyeckland sind Nicht-kommerzielle lokale Radios. Diese melden nicht, sondern führen nur vergleichsweise kleine Beträge an die GVL ab. Die Titel, die hier gesendet wurden, berücksichtigt die GVL bei der Verteilung nicht, da die Kosten für die Verteilung hier unter Umständen höher ausfallen könnten, als die jeweiligen, individuellen Verteilungsguthaben auf Seiten der Künstler und Plattenfirmen.

Bei der GEMA ist diese Frage schon etwas schwieriger zu beantworten, denn im Gegensatz zur GVL, bei der Du Dich ohne zusätzliche Kosten anmelden kannst, verlangt die als Verein organisierte GEMA zunächst eine Aufnahmegebühr und einen jährlichen Mitgliedsbeitrag.

Um Euch eine Richtung zu geben: Bei einer vier – fünfköpfige Band,

  • die über ein circa einstündiges Repertoire verfügt – überwiegend eigene, von allen Bandmitgliedern komponierte und getextete Songs und  2 – 3 Fremdkompositionen
  • bei der alle Bandmitglieder auch GEMA-Mitglied sind und
  • die alle Songs bei der GEMA angemeldet haben,

wird es ab circa 20 (GEMA pflichtigen) Shows im Jahr interessant, über die GEMA-Mitgliedschaft nachzudenken. Denn ab ungefähr diesem Punkt entsprechen die Kosten (Aufnahme- und Mitgliedsbeitrag) und der Aufwand (Werke und Veranstaltungen bei der GEMA anmelden) in etwa den zu erwartenden GEMA-Einnahmen.

Bereits auf Tonträgern oder digital veröffentlichte eigene Musikaufnahmen, die eventuell auch gesendet werden könnten, sind hier ebenso wenig berücksichtigt wie die Möglichkeit, dass nur zwei oder drei Bandmitglieder Komponisten/Textdichter sind oder Kompositionen und Texte von Bandmitgliedern nur auf e i n Bandmitglied angemeldet wurden.

ACHTUNG: Speziell bei Nachwuchsbands ist hier Folgendes zu bedenken:
Viele Veranstalter, die Konzerte mit Newcomern veranstalten und/oder auch Bandwettbewerbe veranstalten, verlangen von den teilnehmenden Bands, KEINE GEMA-pflichtigen Stücke zu spielen. Da die GEMA nur GEMA-pflichtiges Repertoire abrechnet, kosten Shows OHNE GEMA-Repertoire den Veranstalter natürlich weniger. Das ist nicht schön, aber nachvollziehbar und findet durchaus nicht selten statt.

Es gibt also eine Reihe von Argumenten, die bei der Frage, ab wann sich Mitgliedschaften bei der GEMA und der GVL lohnen, zu berücksichtigen sind.

Was dringend zu beachten ist:
Euer urheberrechtlicher SCHUTZ als Interpret und Urheber folgt NICHT aus Eurer Mitgliedschaft bei der GVL und der GEMA. Der Schutz Eures musikalischen Schaffens ist im Urhebergesetz und ausschließlich dort geregelt. Werft am besten mal einen Blick in das Inhaltsverzeichnis des Urhebergesetzes: www.bundesrecht.juris.de/urhg/index.html.

Oder – besser noch – ladet Euch den ganzen Text mal runter.

Wissen ist Macht – seine Rechte zu kennen lohnt sich, auch für Urheber und Musiker. Auf Basis der gesetzlichen Regelungen im Urhebergesetz könnt Ihr die GEMA und GVL bevollmächtigen, in Eurem Namen und Auftrag dafür zu sorgen, dass ihr an dem wirtschaftlichen) Nutzen, den andere aus Euren Leistungen ziehen (Plattenfirmen, Radioanstalten, Diskotheken und viele andere mehr) ANGEMESSEN beteiligt werdet.
Von den Einnahmen, die die GEMA und GVL für alle, die sie beauftragt haben, erzielen, werden die Kosten für die gesamte Verwaltung abgezogen. Einschließlich der Kosten des Geldeinsammelns sowie ein Beitrag für soziale, kulturelle und kulturpolitische Verpflichtungen. Alles Übrige wird an die Berechtigten, also an Euch, ausgeschüttet.

Wer wird Mitglied bei welcher Verwertungsgesellschaft und was ist zu tun?
Ausübende Künstler – zum Beispiel Musiker, Sänger, Schauspieler, Tänzer oder künstlerische Produzenten – werden Mitglied bei der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL).

Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Künstlern in der GVL, wie zum Beispiel

  • Welche Vergütungsansprüche die GVL wahrnimmt
  • Unter welchen Voraussetzungen werden Künstler Mitglied bei der GVL bzw. schließen mit der GVL einen Wahrnehmungsvertrag ab?

findet ihr unter www.gvl.de/gvl-kuenstler-hilfe.htm.

Wer diese Voraussetzungen erfüllt, schließt mit der GVL einen Wahrnehmungsvertrag ab. Das Formular dazu findet ihr unter www.gvl.de/pdf/wahrnehmungsvertrag-ausuebende-kuenstler.pdf.

Hier solltet Ihr evtl. noch Angaben wie auch unten bei der GEMA einfügen: Personalausweis, Meldebescheinigung, Laufzeit Kündigungsfrist, etc.

Sobald der Vertrag abgeschlossen ist, musst Du der GVL noch mitteilen, bei welchen Stücken Du mitgewirkt hast. Zu diesem Zweck erfasst Du Deine künstlerischen Tätigkeiten auf dem GVL Künstlerportal ARTSYS in einer Datenbank www.artsys.gvl.de.

Urheber, d.h. Komponisten und Textdichter werden Mitglied bei der GEMA und stellen dort einen Aufnahmeantrag. Wie bei der GVL auch, geht das ausschließlich als Einzelperson –  eine Mitgliedschaft von Bands ist ausgeschlossen.
www.gema.de/fileadmin/user_upload/Musikurheber/Formulare/gema_urheber.pdf

Die GEMA ist ein Verein und erhebt eine einmalige Aufnahmegebühr von 60,84 Euro sowie einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von 25,56 Euro. Mit dem Aufnahmeantrag hast Du eine Kopie Deines Personalausweises, einen Überweisungsbeleg oder eine Einzugsberechtigung für die Bezahlung der Aufnah¬megebühr und des Mitgliedsbeitrags, den Antrag auf Zugriff auf die Online Werkeintragung und – für Nicht-EU-Staatsangehörige mit Wohnsitz in Stuttgart – einen Nachweis über Deinen steuerlichen Wohnsitz beizulegen. Letzteres bekommst Du über das Finanzamt. Wenn Ihr Euch geeinigt habt, wer und wie Ihr Euch registrieren möchtet und Du zudem alle Bedingungen der GEMA erfüllst, bekommst Du von der GEMA einen Berechtigungsvertrag zugesendet. Sobald dieser beidseitig unterzeichnet ist, bist Du GEMA Mitglied. Der Vertrag ist auf drei Jahre angelegt und verlängert sich automatisch. Kündigen kannst Du spätestens ein Jahr vor Ablauf der Frist.

uch die GEMA muss über Euer Schaffen informiert sein. Dazu meldet Ihr Online oder via Post Eure Werke einzeln an, so dass sie in der GEMA „Werkdatenbank“ archiviert werden können. Um Deine Werke online eintragen zu können, musst Du einen Antrag für den Mitgliederzugriff der GEMA stellen. Auch hierfür gibt es ein Formular.

Außerdem: www.gema.de/mitglied_werden und www.gema.de/werkanmeldung.

Wann muss ich der GEMA Geld zahlen?

Dein zu zahlender Kostenanteil für die Verwaltung der GEMA wird von Deiner Gewinn- Ausschüttung abgezogen. D.h. gefühlt musst Du nichts an die GEMA zahlen. Kosten sind der jährlich anfallende Mitgliedsbeitrag, die Inkassokosten werden vor der Ausschüttung vom Gesamtbudget abgezogen.
Die Inkasso- und Verwaltungskosten entstehen dadurch, das die GEMA überprüft, ob Deine Musik genutzt wird, die Rechnung stellt, diese prüft und den jeweiligen Stücken die Nutzung zuordnet, um dann den Anteil auszuschütten. Kurz: durch den Wahrnehmungsprozess.

Zahlen müsstest Du, wenn Du Verwerter und Urheber gleichzeitig bist. Zum Beispiel im Falle einer eigenständigen, selbst durchgeführten CD Aufnahme und Herstellung. Da Du als Mitglied Deine Nutzungsrechte an die GEMA übertragen hast, wirst Du zum GEMA Kunde und musst die CDs lizenzieren. Das Geld bekommst Du aber – leider unter dem allgemeinen Abzug der Verwaltungskosten der GEMA – bei der Verteilung zurück.
www.gema.de/fileadmin/user_upload/Musiknutzer/Informationen/information_tontraeger.pdf

Bei einer Stückzahl von 500 und nur im Falle von eigenem Repertoire gibt es eine Sonderregelung, wodurch das ganze unter „Promotion Zweck“ läuft. Jedoch stehen im Allgemeinen Ausnahmen bei 60.000 Mitgliedern nicht häufig auf der Liste.
Promo-Tonträger.

Eine Einsicht in die Zahlungstermine könnt Ihr unter folgendem Link bekommen, doch werden wir auf viele der Themen in einem weiteren Artikel eingehen.
www.gema.de/musikurheber/mitgliederbereich/finanzen-abrechnungen/abrechnungstermine.html


Autor: Popbüro Region Stuttgart, www.popbuero.de

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