DJing

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Samstagabend. Ein tobender Club. Die schwitzende Meute bewegt sich rhythmisch zu den Beats, die aus den Boxen schallen. Du spürst die Bässe in Deinen Gliedern. Du willst die Meute weiter aufheizen. Die Menge jubelt, Du nickst ihnen zustimmend zu und drehst die Tunes noch ein wenig lauter.
Solche Situationen erleben Cressida und DJ Gambit regelmäßig. Cressida ist ein weltweit tätiger Trance DJ und kennt sich bestens in der Szene aus. DJ Gambit ist Resident DJ der Schräglage in Stuttgart und bewegt sich im Bereich HipHop. artistguide.de hat die zwei Herren interviewt und viel Neues erfahren. Sie geben Euch Tipps und sprechen über ihr Erfolgsgeheimnis.

Der nachfolgende Artikel erklärt Euch, warum es immer wichtiger wird, sich als DJ selbst zu produzieren, wie Ihr an Bookings kommt und gibt Euch noch einige Tipps zur richtigen Gestaltung eines Mixtapes.

Der passende Name
Ihre gemeinsame Liebe zur Musik hat die beiden zu erfolgreichen DJs gemacht. Cressida wohnt mittlerweile in der Schweiz und ist schon seit 1998 im DJ-Business tätig. Seit 2001 legt er regelmäßig auf. Das Projekt startete er in München, wo er Audio Engineering studierte. Bei seiner Namensgebung hat sich Cressida an den Sternenbildern orientiert. Cressida ist ein Mond von Uranus, der nach einer griechischen Nymphe benannt wurde. Das hatte etwas Softes und Weiches und passte perfekt zu seinem Sound.
Gambit dagegen wählte seinen Namen nach einem Symbol aus seiner Kindheit: seiner Lieblings-Comicfigur aus Kindheitstagen.
„Der Name ist sehr wichtig, weil man sich damit präsentiert. Wie ein Pseudonym, manchmal auch wie eine Maske“ erklärt uns Gambit. „Der Name ist das erste, was den Leuten im Kopf hängen bleibt. Das Erkennungsmerkmal des Künstlers, vergleichbar mit der Corporate Identity eines Unternehmens“ stimmt Cressida zu.

Vollzeit- oder doch nur Nebenjob?
Hauptberuflich ist Cressida Therapeut, trotz internationalen Auftritten ist er noch kein Vollzeitmusiker: „Es ist schwer von Musik zu leben. Clubbesitzer geben deutlich weniger Geld für Events aus als früher. Da das DJing ein Hobby für mich ist, sehe ich das aber alles entspannt.“
Cressida hat keinen festen Club, in dem er auflegt. „In Deutschland ist die Trance Szene leider recht klein. Emotionaler Trance, der in die Tiefe geht, ist in Deutschland nicht so bekannt. Hier kennt man nur die kommerziellen Tracks.“ Deswegen legt Cressida oft im Ausland auf. „Ich bin häufig in Osteuropa unterwegs, meistens in Russland, in der Slowakei und in Polen. Auch in Amerika werde ich immer öfters gebucht. Ich hatte aber auch schon Sets in Syrien, Zypern und Tunesien.“
Cressida hat einen eigenen Booking-Manager, der ihm ein bis zweimal im Monat Auftritte organisiert. Zudem kümmert sich dieser um die Anreise und das Hotel. „Ich habe gar keine Zeit, mich auch noch um die ganzen organisatorischen Sachen zu kümmern, das ist schon eine enorme Erleichterung.“
Gambit hat ein abgeschlossenes Studium in Meeresbiologie, arbeitet aber im Moment in der Schräglage. Dort legt er mehrmals im Monat auf und organisiert gemeinsam mit DJ Doe das „Schräglage Sound System“. „Ab und zu habe ich auch noch Sets im Tonstudio und in der Stereo Bar&Lounge am Berliner Platz. Früher habe ich auch außerhalb von Stuttgart aufgelegt, eigentlich überall, wo man mich gebucht hat. Ich habe keinen Booking Manager, das mache ich alles selbst.“

Das richtige DJ Equipment
Aufgelegt haben die beiden bis vor ein paar Jahren noch mit Vinyl. Inzwischen sind sie umgestiegen: „Vinyl wird aus Kostengründen nicht mehr hergestellt. Zudem laden die Leute nur noch MP3s runter“, erklärt Cressida, „außerdem haben die meisten Clubs keinen Vinyl Player mehr.“ Cressida verwendet mittlerweile CDs. „Da ist das Mixgefühl noch das Beste. Man kann die Tracks in Echtzeit mischen, sie schneller und langsamer machen. In der elektronischen Szene tendiert gerade alles zur CD.“

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(PIONEER CDJ 2000)
Quelle: www.pioneer.eu/de/products/44/106/462/CDJ-2000/index.html

Online könnt Ihr diesen Player beispielsweise für ca. 1800 Euro auf www.thomann.de oder www.musicstore.de erwerben. Ein komplettes Equipment mit Deck, Controller, Headphones, etc. kann dann schon mal ein paar tausend Euro kosten.

Die Software macht‘s
Viele DJs arbeiten mit der kostenlosen Software rekordbox. Das „iTunes für DJs“ wurde speziell für die Verwendung mit einem CDJ-Player konzipiert. Auf Basis der Musikbibliothek lässt sich mit rekordbox auf einfachste und genialste Weise ein DJ-Set vorbereiten.

Gambit dagegen verwendet die Software Traktor Scratch, die mit „echten“ Vinyl-Platten und Plattenspielern verbunden wird und das Audiosignal in ein digitales Signal umwandelt. „Hier sehe ich den Vorteil darin, dass man die Platte nie wechseln muss. Man steuert alles vom PC aus. Ein Hauptgrund, warum ich auf Traktor Scratch gewechselt habe, waren die vielen Möglichkeiten, die dieses Programm bietet. Ich empfand es immer so, dass Vinyl die Kreativität einbindet, mit Traktor Scratch ist deutlich mehr möglich.“

Auch Traktor Scratch könnt Ihr online für ca. 600 Euro erwerben.

Falls Ihr das Equipment aber lieber mal ausprobieren wollt, bevor Ihr es kauft, könnt Ihr z.B. im Soundland in Fellbach vorbei schauen.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Arten aufzulegen. Im Bereich HipHop ist das Scratchen sehr beliebt, „Turntablism“ wird das genannt, erklärt Gambit. Das Mixen ist im Bereich Elektro sehr in Mode. Außerdem gibt es immer häufiger die sogenannten „Laptop-DJs“, die alles rein via Laptop steuern.

Eigene Produktionen sind unabdingbar
Aber nicht nur das reine Auflegen gehört zu den Aufgaben eines DJ. Es wird immer wichtiger, dass die DJs ihre Sounds auch selbst produzieren. Cressida hat 1998 mit dem Produzieren von Songs angefangen, bevor er 2001 mit dem Auflegen begann. „Ein Mixtape mit seinem Laptop zu machen kann ja jeder. Das wirkliche Selbstkreieren von einem Track, das Produzieren im Studio – das ist die elementare Kunst. Im Trance finden die meisten DJs nur über ihre Produktionen den Weg in die Szene und bekommen damit die Gelegenheit aufzulegen.“ Dies ist der einzige Weg, dass Booker auf Euch aufmerksam werden und Ihr auch überregional bekannt werden könnt.

Auch DJ Gambit produziert Songs selbst. Im HipHop sind eigene Produktionen jedoch nicht Voraussetzung, um in einem Club aufzulegen.  Zudem gibt es wenige HipHop DJs, die gleichzeitig auflegen und produzieren. Gambit macht das aus purem Spaß an der Musik. „Eine Produktion ist zugleich eine Komposition und dies sollte vom Publikum auch geschätzt werden.“ Deck, Controller, Headphones, etc. kann dann schon mal ein paar tausend Euro kosten.

Entwickelt Euch ständig weiter
DJing muss gelernt werden, in diesem Fall sind sich Gambit und Cressida einig. „Ihr müsst lernen, wie man ein gutes Set aufbaut und wie man stimmige Übergänge mixt. Zudem braucht Ihr ein gutes Rhythmusgefühl und Ihr solltet Euch extrem viel mit Musik beschäftigen. Wichtig ist zudem eine passende und stimmige Musikauswahl. Gut ist es,  wenn Ihr immer ein paar neue Songs in Eure Sets einbaut. Die Kunst ist es, sich einerseits auf die Musik zu konzentrieren, die Ihr auflegt und andererseits mit dem Publikum mitzufeiern, sodass Ihr die Leute animiert, zu Eurem Sound abzugehen. Ein reiner Laptop DJ zu sein ist nicht schwer, deswegen arbeitet so auch kein echter DJ, der die Musik liebt.“

Ein eigenes Mixtape ist das A und O
Viele DJs sind heutzutage auch bei einem Label unter Vertrag. Ein Label hilft Euch dabei, neue Produktionen zu finanzieren und Kooperationspartner wie Vertrieb oder Verlage zu finden. Schickt am besten Euer Demo-Mixtape und eigene Produktionen an ein entsprechendes Label, das musikalisch zu Euch passt. „Ein Mixtape ist eine Zusammenstellung aus Musik, die Euch interessiert oder die Ihr jemandem präsentieren möchtet“ erläutert Gambit. Die meisten Mixtapes werden mit PC Programmen gemischt. „Ihr benötigt zwei Plattenspieler oder CD Player und ein Mixer. Dazu eine Anlage zum Anschließen. Am besten auch noch einen externen PC als Aufnahmemöglichkeit zum Bearbeiten. Es gibt kein Mixtape ohne Nachbearbeitung!“

Perfekt für DJ Einsteiger eignet sich hierfür der Pioneer DJM 350. Damit könnt Ihr Euren Mix problemlos auf ein USB-Speichergerät aufnehmen. Hierfür benötigt Ihr nicht einmal einen Computer oder Aufnahmegerät. Euren Mix könnt Ihr anschließend zur Nachbereitung auf Euren Computer importieren.

Lasst Euch nicht unterkriegen
Nachdem Ihr Euer Demo verschickt habt, kann es entweder zu einem Vertrag zwischen Euch und dem Plattenlabel kommen, oder eben nicht. Seid nicht frustriert, wenn es nicht gleich zu einem Vertrag kommt. Auch bei Cressida war es nicht anders: „Ich habe mehrere Anläufe gebraucht, irgendwann waren meine Demos gut genug und ich wurde kontaktiert. So kam damals der Kontakt zustande und ich wurde unter Vertrag genommen.“ Heute ist er bei Euphonic Records, eines der bekanntesten deutschen Trance Labels mit Künstlern wie Armin van Buuren und Above and Beyond.

So kommt ihr an Bookings
An Bookings zu kommen ist meistens nicht so einfach. Aber auch dafür haben Cressida und Gambit hilfreiche Hinweise auf Lager: „Versucht Euch selbst zu produzieren. Der Weg in die Szene ist dadurch um einiges einfacher. Hört viel Musik und lasst Euch inspirieren. Erlernt die aktuellen Programme wie Cubase (PC) oder Logic (Mac) oder lasst sie Euch von anderen DJs zeigen. In der Trance Szene funktioniert der klassische Weg von früher, sich mit einem Mixtape bei einem Club zu bewerben, leider nicht mehr. In diesem Bereich sind eigene Produktionen unerlässlich, um sich einen Namen zu machen“, erläutert Cressida.
Gambit dagegen meint, dass Ihr selbstverständlich auch ohne Booking Agentur probieren könnt, ein Set in einem Club zu ergattern. Kontaktiert dazu aber jedoch nie den Club selbst, sondern immer den Veranstalter, da nur dieser bestimmen kann, wer auflegt. Der Veranstalter einer Partyreihe ist nicht automatisch auch der Clubbesitzer. Informiert Euch hierüber am besten im Vornherein. Versucht zudem immer außerhalb des Clubs, z.B. im Internet, auf Euch aufmerksam zu machen. Wie in jedem anderen Bereich geht auch beim DJing alles über Vitamin B.

Nehmt Euch Zeit
Vorbereitungszeit für ein Set einzuplanen ist unerlässlich. Gambit legt beispielsweise nie zweimal das gleiche Set auf: „Um ein Set vorzubereiten brauche ich meistens ein bis zwei Tage, ich kaufe die MP3s so, wie ich Lust habe. Dann wähle ich die Lieder aus, die ich gerne spielen will. Die Übergänge mache ich aber erst am Abend vor Ort.“
Cressida bekommt jede Woche ein paar hundert Promos zugeschickt. Er muss sich Zeit nehmen, um diese durchzuhören. Cressida: „Wichtig ist auch, dass Ihr immer neue Musik dabei habt und dass Ihr wisst, was die Leute im Moment heiß finden. Beachtet auch, dass jedes Publikum und jedes Land anders ist.“

Tipps & Tricks aus erster Hand
Abschließend gibt es noch ein paar Tipps & Tricks von Cressida und Gambit: Nutzt die Plattform www.myownmusic.de. Hier könnt Ihr Eure Musik hochladen und von einer Community bewerten lassen. Ideal ist, dass Ihr Euch hier austauschen und Kontakte aufbauen könnt.

Versucht nicht zu klingen wie etwas, das es schon gibt. Mischt Euren eigenen Sound in Euer Demo. Versucht auch etwas Überraschendes in Eure Mixes einfließen zu lassen. Scheut Euch nicht, Neues auszuprobieren. Zudem ist es wichtig, dass ihr viel Leidenschaft zu Eurem Sound entwickelt und eine Menge Herzblut in Euer Projekt steckt.

Achtet bei einem Mixtape darauf, dass Ihr Eure Lieder nicht zu lange anspielt, verwendet mehr Übergänge und übersteuert das Signal nicht. Die Lieder, die Ihr wählt,  sollten von der Stimmung zusammenpassen. Schön ist es auch wenn Ihr ein kleines Cover für Euer Mixtape gestaltet, das schon einmal einen Vorgeschmack auf Euch und auf Eure Musik wiedergibt.

Nun habt Ihr viele wichtige Dinge erfahren, die ein junger und angehender DJ wissen muss, um Erfolg zu haben: Denkt an einen passenden und aussagekräftigen Namen, mischt ein stimmiges Mixtape und bewahrt Euch die Lust und Leidenschaft am DJing. Probiert Euch einfach mal an eigenen Produktionen. So klappt es bestimmt auch bald mit einem Booking.


Autor: Popbüro Region Stuttgart, www.popbuero.de

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