Bloggen

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Dieser Text stammt von Thorsten Weh, Online-Konzepter, Blogger, DJ uvm., www.kessel.tv

Grundsätzliches:
Blogs, im Grunde nichts anderes als öffentliche Online-Tagebücher, sind – bezogen auf die kurze Halbwertszeit bei Online-Medien – ein schon relativ altes Phänomen im Bereich Social Media. Schon Mitte der 90er gab es die ersten Blogs. Charakteristisch für ein Blog und damit der wichtigste Unterschied zu den zahlreichen anderen publizistischen Medien im Internet ist:

  • Die Beiträge sind meist sehr persönlich, oft in der Ich-Perspektive geschrieben, der Autor steht über dem Artikel;
  • Die Beiträge werden fast immer „endlos“ als chronologische Liste dargestellt – die aktuellsten Beiträge oben, die älteren darunter;
  • Meist – aber nicht immer – sind in Blogs Kommentare der Leser zugelassen, wodurch eine vom Beitrag des Autors angeregte Diskussion entstehen kann.

Es gibt private Blogs zu verschiedensten Themen, vom Hobby über Sport bis zu Politik, und Blogs von Firmen oder Zeitungen/Verlagen, wo die Kommunikation im Internet persönlicher stattfindet.

Blogs werden von den Lesern oft über den sog. RSS-Feed verfolgt – in einem speziellen Reader werden die immer aktuellsten Beiträge aller verfolgten Blogs und Websites gesammelt dargestellt. Das führt mit dazu, dass interessante Blogs regelmäßig von den gleichen Lesern gelesen werden.

Eine wichtige „Währung“ bei Blogs sind Verlinkungen. Ist ein Beitrag besonders interessant, wird er in anderen Blogs verlinkt, was wiederum Leser von dort auf das Blog bringt.

Blogs von Musikern
Blogs sind ein sehr geeignetes Mittel für Bands und Musiker, um sich mit ihren Fans auszutauschen. Natürlich bietet es sich an erster Stelle an, live von der Tour, aus dem Proberaum oder dem Studio zu berichten – je „intimer“ und mit mehr Bildern, desto besser, da sich die Fans der Band oder dem Musiker so nah fühlen, vieles aus dem Musiker-Alltag mitbekommen und eine große Verbundenheit entsteht.

Genau so kann und sollte ein Blog einer Band/eines Musikers aber dazu genutzt werden, mit den Fans zu kommunizieren und sie aktiv einzubinden. Denkbar ist z.B., dass die Band ihre Fans auf dem Blog mit einer Umfrage – die technisch einfach einzubinden ist – darüber abstimmen lässt, welcher von drei vorgestellten Songs auf das nächste Album kommt oder in welchen Städten die nächsten Konzerte stattfinden sollen. Über die Kommentare kann man z.B. auch sehr gutes Feedback zu Konzerten oder auch zur Musik/zur eigenen Arbeit allgemein einfangen.

Und natürlich eignet sich ein Blog auch bestens dazu, klassische „Promotion“ für ein Album oder eine Tour zu machen – am besten natürlich garniert mit einem kleinen „Goodie“ für die Fans in Form eines Live-Mitschnitts als Stream oder eines Songs als Gratis-Download. Beides ebenfalls technisch einfach einzubinden.

Wichtig bei jedem Blog ist aber, dass regelmäßig neue Beiträge online gestellt werden. Während einer Tour macht ein tägliches Update Sinn, in einer ruhigeren Phase reicht es auch, wenn es wöchentlich ein Update gibt. Bleiben neue Beiträge zu lange aus, verlieren die Fans und Leser schnell das Interesse.

Blogs für Musiker
Aber auch wenn eine Band oder ein Musiker kein eigenes Blog online stellen wollen oder können, können sie andere Blogs für Promotion nutzen. Dabei gibt es – natürlich – kein Universalrezept. Und auch nicht das eine oder die fünf wichtigsten Blogs. Je nach Musikrichtung, Bekanntheitsgrad und Ausrichtung der Band/des Musikers gibt es genau so viele verschiedene wie zahlreiche Blogs, die über Musik schreiben, neue Bands vorstellen und von Konzerten berichten.

Wahrscheinlich kennt jeder Musiker sowieso ein paar Blogs, die ihn interessieren und deshalb automatisch für ihn oder seine Band relevant sind. Weitere interessante und relevante Blogs zu recherchieren ist kein Problem, ein Blick auf die Verlinkungen der Blogs untereinander führt oft schneller zum Ziel als die Suche bei Google.

Was keinen Sinn macht und nicht einmal bei Chart-Acts zum Erfolg führt, ist die Bemusterung bzw. das Anschreiben möglichst vieler oder aller Blogs, die irgendwas mit Musik zu tun haben. Zum einen ist die Schnittmenge der Blogs, die sich dann wirklich für das angebotene Thema interessieren, ziemlich klein, zum anderen mag es kein Blogger, wenn er eine unpersönliche Massenmail bekommt.

Lieber ein paar Blogs gezielt aussuchen, die zum Profil der Band/des Künstlers passen, sich mit ihm auseinandersetzen – sprich: ihn lesen – und dann den Blogger persönlich anschreiben und ihm sagen, warum man denkt, dass gerade ihn die neue Platte oder das anstehende Konzert interessiert.

Bloggen – und wie?
Der Vorteil eines Blogs – gegenüber einer klassischen Website – ist, dass es zum einen leichter erstellt und zum anderen auch leichter gepflegt und aktualisiert werden kann. Wo man bei einer Website ein teures CMS (Content Management System) oder Programmierkenntnisse braucht, um Inhalte zu pflegen, gehört die Einpflege neuer Artikel und die Aktualisierung von Seiten bei einem Blog zum „daily business“.

Auch die Erstellung eines Blogs ist relativ einfach. Zum einen gibt es Blogsysteme, die eine Vernetzung der dort erstellten Blogs untereinander beinhalten, wie z.B. www.blogspot.com, und die auch das sog. „Hosting“ übernehmen, d.h. die Daten des Blogs liegen auf dem Server dieses Anbieters.

Ein anderes System, mit dem inzwischen auch immer mehr normale Websites aufgesetzt werden, ist www.wordpress.com. Hier braucht man allerdings einen separaten Provider, wo die Website „gehostet“ wird.

Bei beiden Systemen kann man mit ein paar Klicks ein Blog erstellen und den ersten Beitrag schreiben. Als Faustregel gilt hier: Je individueller das Blog in Struktur und Layout sein sollen und je mehr Funktionen es beinhalten soll, desto mehr muss man sich damit beschäftigen bzw. braucht man jemanden, der sich mit der Programmierung von Websites auskennt.

Ein System, bei dem die Einfachheit sowohl des Aufsetzens als auch der Pflege des Blogs oberste Maxime sind, ist www.tumblr.org. Auch die tumblr-Blogs sind untereinander gut vernetzt, allerdings sind hier die Möglichkeiten der Anpassung beschränkt bzw. verlangen tiefere Kenntnisse.

Will man das Blog nicht mit einer www.beispielband.blogspot oder www.beispielband.tumblr.org-Adresse aufsetzen, sondern mit einer eigenen Domain www.beispielband.de, dann sollte man diese „URL“ beim Provider sichern und dann auf das Blog verlinken.

Auch wenn das Aufsetzen eines Blogs an sich nicht schwer ist, hilft es sicher, wenn man bei der ersten Erstellung jemanden zur Seite hat, der Programmierkenntnisse oder Erfahrung mit der technischen Betreuung von Blogs hat.

Der Blog ist da. Und jetzt?
Der Vorteil, wenn der Blogger ein Künstler bzw. eine Band ist, liegt darin, dass es wahrscheinlich schon ein paar Fans – und damit potenzielle Leser – gibt. Diese kann man meist sehr schnell erreichen, sei es über ein Myspace- oder Facebook-Profil, das es schon gibt, und von dem man verlinken kann oder sei es ein Banner oder Plakat mit der URL des Blogs beim Konzert.

Ansonsten kann man sich auf die Mechanismen im sog. Social Web verlassen – ist ein Blogeintrag interessant, dann wird er in anderen Blogs verlinkt, gibt es einen guten Song als Download auf dem Blog, dann taucht er in Foren auf, ist was Lustiges bei den Proben passiert, dann twittert es jemand.

Und letztlich ist es beim Bloggen ähnlich wie beim Musikmachen: Macht man es gern, dann macht man es gut, und wenn man es gut macht, dann hat man irgendwann damit Erfolg.


Autor: Thorsten Weh, www.kessel.tv

Er als Online-Konzepter bei der Panama Werbeagentur in Stuttgart beschäftigt und arbeitet dort unter anderem für Bauknecht, Dinkelacker-Schwaben Bräu, Intersport und Porsche Tennis Grand Prix im Bereich Online und Social Media. Davor war er bei Bassier, Bergmann & Kindler Online-Konzepter für Porsche und dort unter anderen mit verantwortlich für den Aufbau der Social Media-Aktivitäten von Porsche. Thorsten Weh betreibt seit 2008 zusammen mit Martin Elbert den Stuttgarter Blog kessel.tv und schreibt auch für gig-blog.net und die Stuttgarter Nachrichten und ist DJ. Seit 1996 hat er für verschiedene Online-Agenturen, Zeitschriften und Musikmagazine gearbeitet.

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