Aufnahmen

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Obwohl wir heutzutage ständig mit neuen erschreckenden Zahlen vom Rückgang der Tonträgerverkäufe erschlagen werden, kommt Ihr auf dem Weg in die Professionalität an guten Aufnahmen von Euren Songs nicht vorbei. Ihr bewerbt Euch damit bei Veranstaltern und Labels – was nicht gefällt oder unprofessionell klingt, landet dort sofort im Müll. Was Ihr bei Euren ersten Aufnahmen unbedingt beachten solltet, was Ihr braucht und wie viel die Bandkasse dafür locker machen sollte, beantwortet der folgende Text.

Wie bereite ich mich für den Tonstudioaufenthalt vor?
Damit Ihr die Zeit im Tonstudio optimal nutzt ist, es natürlich enorm wichtig, dass ihr Euch sehr gut darauf vorbereitet. Hierzu gehört zum einen, dass Euer Equipment in einem funktionalen Zustand ist. Also vorher die Gitarren, Effekte, Kabel und Verstärker checken bzw. checken lassen. Zum anderen sollte jedes Bandmitglied natürlich den Ablauf des Songs kennen und seinen Part auch ohne die anderen Musiker spielen können (auch sollte jeder zum Metronom spielen können).
Eine weitere gute Möglichkeit ist es auch, von den Songs, die Ihr aufnehmen möchtet, eine „Vorproduktion“ zu machen. Der einfachste Weg dafür ist es, den Song in der Probe einfach mitzuschneiden und anschließend (bzw. in Ruhe zu Hause) zu analysieren. Bevor es dann an richtige Aufnahme geht, können Euch folgende Fragen helfen:
Fehlt dem Song irgendetwas? Ist der Song über den kompletten Verlauf interessant und abwechslungsreich? Benötigt er noch weitere Melodien? Kann die Gitarre bei der dritten Strophe nicht weggelassen werden? Sollte der Drumbeat in der Bridge nicht doch „halftime“ gespielt werden?
Hier geht es also um Dinge, die das Arrangement betreffen. Setzt Euch ruhig nochmals im Proberaum hin und puzzelt den Song neu zusammen, falls es da Bedarf gibt. Ein weiterer Vorteil dieses „quick-and-dirty“ Live-Mittschnitts ist es, dass Ihr Euren Bandsound auch mal als Hörer wahr nehmt. Sollte es nur matschen und undefiniert klingen, wäre es nun auch ein guter Zeitpunkt, Euch nochmals mit dem Sound der einzelnen Instrumente auseinander zu setzen. Hierbei geht es nicht um Lautstärke, sondern um die Klangregelung, falls sich irgendjemand nicht hören sollte. Der Bass sollte die tiefen Frequenzen bedienen. Die Gitarren klingen alleine gespielt mit reichlich Bass zwar dick und fett, zusammen mit der zweiten Gitarre und dem Bassisten ist es aber oft zu viel des Guten. Daher den Gitarrensound ruhig etwas bassarm einstellen, dafür mehr Mitten und Höhen. Alleine gespielt darf sie ruhig etwas „dünn“ (aber nur ein wenig) klingen.
Dieses abstimmen des Bandsounds wird Euch in allen Bandlebenslagen helfen. Im Studio präsentiert Ihr dem Tontechniker einen Sound, der schon mal stimmig ist, dem Live-Tontechniker (der Euch höchstwahrscheinlich nicht kennt) macht Ihr das Mischen wesentlich leichter und auch für Euch selber wird sich der Bühnensound merklich verbessern.
Nachdem Euer Song nun den letzten Feinschliff im Arrangement bekommen hat, Euer Equipment funktioniert und Ihr die Parts auch morgens um 04:30 sicher spielen könnt, geht es nun an den nächsten Schritt.

Welche Aufnahmemöglichkeiten gibt es?
Live, Studio, DIY – Es gibt natürlich verschiedene Möglichkeiten, Songs aufzunehmen. Jede Möglichkeit hat ihre eigenen Vor- und Nachteile. Möchtet Ihr Eure Liveperformance und diese Stimmung besonders hervorheben, bietet sich der Mittschnitt eines Livekonzertes an. Entweder positioniert Ihr zwei Mikrofone bzw. einen mobilen Stereo-Handrecoder am FOH Platz und nehmt das Konzert so auf, wie es auch der Zuhörer wahr nimmt oder Ihr bittet den FOH-Mischer, Euch eine Summe aus dem Mischpult zu geben. Hierbei habt Ihr natürlich den maximalen live-Charakter. Die Aufnahme steht und fällt mit Eurer Performance am Instrument, evtl. Spielfehler lassen sich nachträglich nicht mehr verbessern.
Mit etwas mehr Aufwand an Recordingequipment (da mehr Aufnahmekanäle benötigt werden) könnt Ihr auch alle einzelnen Kanäle des FOH-Mischpultes separat aufnehmen. Das erlaubt Euch nachträglich eine Mischung zu erstellen, die Ihr in Ruhe zu Hause oder im Studio machen (lassen) könnt, die unabhängig vom FOH-Sound des Abends ist. Das bedeutet aber, dass Ihr da nochmals Arbeit reinstecken müsst, bevor Eure Aufnahmen stehen.
Falls Ihr Euch für das DIY-Recording entscheidet, ist es wichtig, dass sich einer in der Band mit dem Thema „recording“ auseinandersetzt und in irgendeiner Weise verbunden fühlt, sich also etwas in die Technik und die Materie einliest und dann auch im Aufnahmeprozess den Überblick behält. Hier lassen sich bei etwas Sorgfalt durchaus beachtliche Ergebnisse erzielen. Eine Grundausstattung an Technik ist natürlich nötig. Ob Ihr Euch diese als Band anschafft, ist eine Überlegung. Es bieten auch viele Jugendhäuser semiprofessionell eingerichtete Tonstudios an, in denen Ihr Euch dann musikalisch ausleben könnt. Die so gemachten Aufnahmen können dann natürlich wieder selbst gemischt werden (was wiederum Erfahrung und Interesse an der Materie erfordert) oder Ihr übergebt die Aufnahmen an ein Tonstudio Eurer Wahl. Auch die werden gerne für Euch Eure Songs mischen.
Möchtet Ihr Aufnahmen haben, die klingen wie von euren Vorbildern? Dann kommt Ihr um eine Aufnahmesession im Tonstudio Eures Vertrauens nicht herum. Der dortige Tontechniker kennt sein Studio, seine Technik und ist auch mit dem Aufnahmeprogramm und all der Software so vertraut, dass Ihr Euch darüber keinerlei Gedanken machen müsst. Ihr habt den Kopf frei, um Eure Songs optimal zu performen. Um alles andere kümmert sich der Tontechniker. Auch beim Mischen weiß er, worauf es ankommt und wo die Stolperfallen liegen, um Euren Aufnahmen den „amtlichen Sound“ zu geben, der sie von der Demo unterscheidet. Oft übernimmt er auch die Tätigkeit eines Produzenten. Als Außenstehender kann er Euch besser motivieren, dass beste aus Euren Songs zu holen.

Wie ist der Ablauf bei einer Aufnahme?
Das kommt natürlich darauf an, wie Ihr aufnehmt und welche technischen Möglichkeiten zur Verfügung stehen. In aller Regel wird das Schlagzeug zur Pilotgitarre aufgenommen. Sofern Ihr Platz und die technischen Möglichkeiten habt, könnt Ihr auch alle zusammen den Song einspielen, wobei lediglich das Schlagzeug aufgezeichnet wird. Die weiteren Instrumente werden dann nach einander eingespielt, sodass sich langsam der Song zusammen setzt. Der Gesang folgt zum Schluss. Danach benötigt der Mischer einige Zeit, um sich Eurem Song zu widmen und die Mischung zu erstellen. Sprecht mit ihm am besten vor den Aufnahmen ab, welchen Sound Ihr Euch vorstellt. Gebt Ihm dazu auch ein oder zwei Referenzsongs, damit er sich das anhören kann. Wählt am besten auch innerhalb der Band ein Mitglied aus, das die Kommunikation mit dem Tontechniker übernimmt. Sobald der Grundmix steht, setzt Ihr Euch gemeinsam zusammen und sprecht gemeinsam über Mix.

Wie viel sollte ich in welcher Bandphase zahlen?
Darauf lässt sich so leicht keine Antwort geben. Das kommt natürlich darauf an, wie motiviert Ihr Eure Sache angeht und welchen Qualitätsanspruch Ihr habt. Für ein professionelles Tonstudio muss man mit einem Tagessatz von 250 – 350 Euro rechnen. Natürlich haben viele Studios auch spezielle Packetpreise für komplette Produktionen.

Wie kann ich meine eigenen Demoaufnahmen produzieren? Welches Equipment brauche ich dafür?
Wollt ihr in DIY-Manier Aufnahmen machen, benötigt ihr eine Grundausstattung an Equipment. Hierzu genügt ein PC mit entsprechender Audio-Recording-Software (auch Digital Audio Workstation DAW genannt), einem USB Audio Interface mit acht

Mikrofoneingängen und entsprechende Mikrofonen je nach Eurer Bandbesetzung. Für Aufnahmen, die zusammen Live eingespielt werden, könnte das Aufnahmesetup dementsprechend so aus sehen: 1x Bassdrum, 2x Drumoverheads, der Bass wird über den integrierten DI-Ausgang des Verstärkers abgenommen, 2x Gitarren, 1x Keyboard/Synthie und 1x Gesang. Weitere Instrumente oder Gesänge können so auch später noch hinzugefügt werden. Mit diesen so aufgenommenen einzelnen Spuren Eurer Instrumente könnt Ihr Euch nun ans Mixen machen oder Ihr übergebt die Aufnahmen an ein Tonstudio, damit diese den Mix erstellen. Mit dieser Variante könnt Ihr durchaus gute Ergebnisse erzielen. So wurde zum Beispiel das Album „Boombox“ der Beatsteaks von den Musikern selber in deren Proberaum aufgenommen. Allerdings sollte sich einer innerhalb der Band mit dem Thema „recording“ etwas mehr auseinander setzen. Also sich informieren über die Mikrofonpositionierung, wie funktioniert das Aufnahmeprogramm und auf was muss man beim Mischen achten.
Mit dieser Ausstattung könnt Ihr natürlich genauso im Overdub-Verfahren (also nacheinander) aufnehmen. Dann könnte das mögliche Szenario so aussehen:
Session 1 Drums: Bassdrum, Snare, Rack Tom 1, Rack Tom 2, Floor Tom, 2x Oberhemds Session 2 Bass: Bass DI Session 3 Gitarren: Rhythmusgitarre / Leadgitarre Session 4 Vocals: Hauptvocals, Backingvocals Session 5 Zusätzliches: Keyboards (Stereo), Synthese, Sonstiges.

Welches kostengünstige Programm sollte ich verwenden?
Kostengünstig gibt es die Software Sequell von Steinberg. Hiermit erhaltet ihr eine durchaus professionelle Software für die ersten Schritte. Macuser können auch mit Garageband starten, um ihre Songs aufzunehmen. Möchtet Ihr kompatibel zu professionellen Tonstudios sein, empfehle ich Euch entweder Cubase (ebenfalls von Steinberg), LOGIC von Apple oder Pro Tools von Avid. Diese Sequenzer verfügen über weitestgehend identische Funktionen. So spielt lediglich die persönliche Präferenz eine Rolle, für welches Programm man sich entscheidet.
Neben diesen gibt es noch eine Reihe weiterer Aufnahmeprogramme wie FL Studio (ehemals Fruity Loops), Ableton, Cakewalk Sonar oder Propellerheads Reason. Davon haben sich einige eher auf die Produktion elektronischer Musik spezialisiert. Hier gilt es sich einfach etwas die Beschreibungen der Hersteller zu vergleichen und sich in die Software ein zu arbeiten.

Autor: Antonio Raimondo, www.antonioraimondo.de

Antonio Raimondo studierte Audiovisuelle Medien mit dem Schwerpunkt Tontechnik an der HdM in Stuttgart. Mit Big Toni Sound ist er als freier Tontechniker in Stuttgart unterwegs. Bei weit mehr als 150 Live-Konzerten mit ca. 600 Bands jeglicher Größe hat er eine Menge Erfahrung gesammelt. Regelmäßig steht er im Jugendhaus West in Stuttgart am Mischpult. Darüberhinaus ist er gelegentlich als Dozent tätig und bietet regelmäßig Workshops zum Thema Tontechnik an. In Zusammenarbeit mit dem u3studio bietet Antonio Raimondo mit der Soundlounge seit kurzem außerdem alle Dienstleistungen rund um Musikproduktion individuell an. Mehr Infos unter www.antonioraimondo.de.

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